Zwischen zeitgemäß und ehrwürdig

Als Schuleinrichtung funktioniert die Graserschule nach wie vor, doch ihr Antlitz ist in die Jahre gekommen und nur noch bedingt vorzeigbar

BAYREUTH

Von Gordian Beck

Die Graserschule. In dem langen, breiten und vor allem hohen Flur im Erdgeschoss glänzt das Linoleum. „Unverwüstlich“, meint Anton Vrgoc lächelnd, „mit das Beste, was man in einer Schule verlegen kann“. Er muss es wissen, seit 2006 ist er als Bauingenieur für das Hochbauamt der Stadt tätig und zugleich derjenige, der sich um die Graserschule kümmert. Die anstehenden Reparaturen, die Planung für die Sanierung, deren Kosten – all das beruht auf seiner Expertise. Wobei die knapp sieben Millionen Euro, die eine umfassende Sanierung und Modernisierung der Schule kosten soll, erst eine „Art Hausnummer“ darstellen, wie Vrgoc zugibt. Wie auch die Planung noch nicht allzu weit vorangeschritten ist. 2006 habe man damit begonnen, so Hans-Dieter Striedl, der Baureferent der Stadt, diese jedoch „angesichts der Rathaus-II-Diskussion bald wieder hintangestellt.“ Erst 2013 habe man sich daher wieder mit der Sanierung der Graserschule planerisch beschäftigt. Neu und unter ganz anderen Vorzeichen, natürlich. Fest sei deshalb noch nichts, Ideen jedoch haben wir viele, sagt Vrgoc. Doch die liegen nun wieder auf Eis, die Überprüfung möglicher Standorte für einen Neubau hat Vorrang. Das heißt jedoch nicht, dass der Bauunterhalt für die Graserschule gestrichen ist. „Alles, was repariert werden muss, wird auch repariert“, sagt dazu Andreas Huber, Rektor der Graserschule. Etwa 20 000 Euro stehen dafür jährlich zur Verfügung. „Das kann jedoch bei Bedarf aufgestockt werden“, erläutert Striedl. So habe man außer der Reihe 2013 das Flachdach im Übergang zur Turnhalle erneuert, beziehungsweise, geflickt. Denn „eine Schule muss funktionieren“, sagt Vrgoc. „Und das tut sie auch“, betont Huber. Mit Abstrichen allerdings. Wobei diese zumeist die Optik betreffen. Die Toiletten, beispielsweise. Sie tun ihren Dienst, doch gerne sucht man diesen Ort mit Sicherheit nicht auf. Zu deutlich sind hier die Gebrauchsspuren vieler Jahrzehnte sichtbar. Oder die Heizung in den Fluren. Dann und wann ein braun gestrichener Heizkörper, die dazu gehörigen Rohre laufen sichtbar an den Wänden entlang. Die Wärmeleistung sei jedoch gut, so Huber. In den Gängen müsse niemand frieren, die wenigen Heizkörper reichten völlig aus. Denn die Bausubstanz sei gut. „Wir haben hier 60 bis 80 Zentimeter dicke Wände, die zudem zweischichtig aufgebaut sind, das heißt außen Sandsteinblöcke, innen Ziegel“, erklärt Vrgoc. „Auch im Falle einer Sanierung würde man diese Wände nicht dämmen.“

Ein Aha-Erlebnis bieten dagegen die Klassenzimmer. Denn diese sind riesig. „76 Quadratmeter“, meint Vrgoc, „so groß baut man heute nicht mehr“. 56 Quadratmeter, das sei der Standard. Übrigens auch bei einem Neubau der Graserschule. „Wir haben hier wirklich Platz“, sagt Huber und verweist auf eine Art Spielecke im hinteren Bereich eines Klassenzimmers, die recht großzügig ausgefallen ist. Im Falle einer Modernisierung könnte man anstatt dieser eine Wand einziehen und so einen zusätzlichen Kleingruppenraum schaffen.

Wie Raum in dieser Schule generell kein Mangel ist. Ein behindertengerechter Aufzug? Kein Problem, meint Vrgoc, in den Treppenhäusern sei Platz. Und die in ihrer Örtlichkeit arg improvisiert wirkende Mittagsbetreuung? Könnte ohne Probleme aus dem ersten Stock ins Parterre umziehen. Die Räume dort werden noch vom Schulpsychologen sowie von der Landesbildstelle belegt. Für Letztere könnte man in jedem Fall andere Räumlichkeiten finden, sagt Striedl; der Schulpsychologe ziehe demnächst aus, ergänzt Huber. Dann könnte man dort einen großen Speisesaal nebst Küche mit Durchreiche platzieren, meint Vrgoc. „Pläne dafür gibt es bereits.“

So gesehen, hat die Graserschule durchaus Potenzial, denn setzt man um, was heute technisch möglich ist, dann kann hier eine moderne Schule in alten Gewand entstehen. Und die Pavillonschule? Sie würde im Falle einer Modernisierung zunächst bestehen bleiben, sagt Vrgoc, „die Logistik bei einem solchen Umbau ist kompliziert, da sind Ausweichmöglichkeiten hoch willkommen“. Denn die Arbeiten dürften sich hinziehen, schließlich muss fast überall Hand angelegt werden; von der sanierungsbedürftigen Turnhalle mit ihren maroden Umkleiden über die Elektrik bis hin zur Farbgestaltung innen. Denn das Schwarz der Fassade wird der Graserschule wohl erhalten bleiben, die Patina vergangener Jahrzehnte schütze den Sandstein, so der Denkmalschutz.
Nordbayerischer Kurier vom Samstag, 18. Oktober 2014, Seite 16

2014-10-23T22:10:06+02:00

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