CSU rüttelt an den Schulsprengeln

Fraktionsvorsitzender sagt: Für Kinder müssen die Wege auch nach einem Neubau kurz bleiben

BAYREUTH

Von Frank Schmälzle

Die Prüfung der vier möglichen Plätze für einen Neubau der Graserschule ist weit vorangeschritten: Voraussichtlich im Februar wird die Verwaltung dem Stadtrat Vor- und Nachteile der in Frage kommenden Standorte vorlegen. Dann beginnt nicht nur eine Debatte über Sinn oder Unsinn eines Neubaus. Dann wird ein noch weitergehendes Problem aufgeworfen.

Für Stefan Specht steht eines im Vordergrund: Kinder sollten es möglichst nah zu ihrer Grundschule haben. Abhängig davon, für welchen Standort sich der Stadtrat entscheiden sollte, sei dann eine Diskussion über einen neuen Zuschnitt der Sprengel der Bayreuther Grundschulen notwendig, sagt der CSU-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat. Denn: „Eine Schule muss möglichst zentral innerhalb ihres Sprengels liegen.“ Und: In einen Neuzuschnitt will Specht auch die Entwicklung der Schülerzahlen an den Grundschulen einbeziehen. „Es gibt verlässliche Zahlen, wo in Bayreuth die meisten Kinder wohnen und wie sich die Entwicklung in den Stadtteilen darstellen wird.“

Einen solchen Automatismus sieht Sozialreferent Carsten Hillgruber, in dessen Ressort seit kurzem auch die Schulen fallen, nicht. Alle vier diskutierten Standorte – auf dem Posteglände, am Bezirkskrankenhaus, an der NSB und an der Wirthstraße – liegen innerhalb des Sprengels der Graserschule, für die ein Neubau diskutiert wird. An der Zahl der Grundschüler im Sprengel der Graserschule werde sich in den nächsten Jahren kaum etwas ändern. Derzeit besuchen 268 Schüler zwölf Klassen. Im Schuljahr 2018/2019 werden es voraussichtlich 274 sein. Auch im gesamten Stadtgebiet werde die Zahl der Grundschüler stabil bleiben. Derzeit sind es 1979, im Schuljahr 2018/2019 werden es 1972 sein.

Hillgruber weist darauf hin, dass eine Veränderung eines Schulsprengels „notwendigerweise auch mindestens einen weiteren betrifft. Das heißt: Sollte sich die CSU mit ihrem Vorschlag durchsetzen, wären nicht nur die Schüler der Graserschule betroffen. Insgesamt gibt es in Bayreuth neun Grundschulsprengel. Auch Specht sagt: „Einfach wird eine Änderung des Schulsprengels nicht.“

Zuvor allerdings wird sich der Stadtrat noch einmal mit der Grundsatzfrage zu beschäftigen haben: Braucht es einen Neubau für die Graserschule? In Stadtratskreisen wird bereits spekuliert, dass die Standortprüfung der Verwaltung vor allem einen Zweck haben werde: einen Neubau teuer zu rechnen und abzuwenden, damit die Schule an ihrem derzeitigen Standort und in ihrem Gebäude bleibt. Das solle dann saniert und umgebaut werden.

Die Chefin der Verwaltung und Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe hatte bei ihrer Jahrespressekonferenz Stellung bezogen. Sie will die Graserschule dort belassen, wo sie jetzt ist. Und sie will einen Anbau an das Rathaus, um Platz für die ins marode Rathaus II ausgelagerten Teile der Verwaltung zu schaffen. Doch auch dagegen regt sich Widerstand, zum Beispiel von den Grünen im Stadtrat: Sie wollen eine effizientere Verwaltung. Die brauche keinen weiteren Anbau.


Nordbayerischer Kurier vom Donnerstag, 22. Januar 2015, Seite 10
2015-02-06T10:40:30+01:00

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