Leserbrief „Für eine fröhliche Grundschulzeit“

Faktenanalyse zum Leserbrief  „Für eine fröhliche Grundschulzeit“ von Deborah Schanz im Nordbayerischen Kurier am 22.02.2016

Leserbriefe sind ein feine Sache, man kann künden ohne sich direkter Gegenargumentation stellen zu müssen, es kostet Nichts und der Zeitungsverlag hat einen Leserbeitrag, der in der Regel gerne gelesen wird und Emotionen weckt. Das wiederum wird Reaktionrn bringen. Ein klassischer Selbstläufer.

Leserbriefe sind Win-Win-Geschichten, die gerade auch von Parteien und Interessenverbänden genutzt werden, um Meinungsbildung zu betreiben.

Für uns, die Bürgerinitiative „Rettet die Graserschule“, sind Leserbriefe, die die Graserschule betreffen, immer ein guter Aufhänger um im persönlichen Gespräch mit Teil- oder Fehlinformationen aufräumen zu können. Heute aber auch mal schriftlich.

Im Leserbrief  „Für eine fröhliche Grundschulzeit“ führt Frau Schanz an:

Ich verfolge die Diskussion um den Neubau beziehungsweise die Sanierung der Graserschule seit längerem und bin zunehmend irritiert über die (oft nostalgischen) Argumente, die für die Sanierung angeführt werden.

Unbestritten verbinden viele Bayreuther mit dem Gebäude in der Schulstraße 4 Emotionen. Manche positive, manche auch negative. Tradition und Wurzeln, das ist das, was viele mit dem Gebäude verbinden.

Darüber hinaus bietet das Gebäude aber auch erhebliches Potential:

Es ist groß und massiv, hat große Räume und Fenster. Hier hat man Raum in Hülle und Fülle, in dem schon heute “zeitgemäße pädagogische Lernkonzepte und flexible Ganztagsbetreuung“ durchgeführt wird und ein Areal welches über gute Pausenmöglichkeiten verfügt. Die Graserschule war eine der Pilotschulen für den gebundenen Ganztagszweig und verfügt gerade hier über viel Erfahrung.

Frau Schanz weiter:

Wenn ich in der Stadt shoppen gehe, stimmt es mich auf dem Weg vom Rathausparkplatz traurig, den völlig zubetonierten, feinstaubumgebenen Schulhof unserer Graserschule zu sehen. Wie sehr wünsche ich unseren Kindern mehr Grün drum herum!

Der Außenbereich umfasst vier Abschnitte: Den großen Außenbereich mit historischer Baumsubstanz und 1.400 qm Fläche, den Seitenbereich mit Bachlauf auf einer Fläche von 300 qm, einen überdachten Bereich mit einem bei jedem Wetter nutzbaren Ballspielplatz (400qm) und einem vierten Bereich mit einer Fläche von 1.100 qm, der durch den Anbau einer Aula um ca. 200 qm verkleinert wird. Selbst dann hat man mit 2.900 qm viel Platz für deutlich weniger als 300 Schüler. Im Rahmen der Sanierung wird auch der Außenbereich neu gestaltet.

Frau Schanz weiter:

Dass die Kinder dazu dienen sollen, die Innenstadt zu beleben – wie in der Debatte oft angeführt – finde ich weder kindgerecht noch richtig.

Die Kinder sind aber einfach da. Für 37% der Sprengelkinder ist die Graserschule zu Fuß am kürzesten zu erreichen und weitere 50 Kinder sind als Gastschüler in dem Gebäude, weil die Schule nach dem Wunsch ihrer Eltern genau das Angebot ist, welches sie sich für ihre Kinder wünschen.

Frau Schanz weiter:

Die Grundschüler laufen (hoffentlich!) nicht nach der Schule durch die Innenstadt und geben ihr Taschengeld dort aus.

Aber bitte: Doch!

Taschengeld – also echtes Taschengeld – ist das Geld, welches Kinder zur freien Verfügung haben sollten, um den Umgang mit Geld zu lernen. Geben sie das Geld im stationären Handel in der Innenstadt aus, was ist denn daran auszusetzen? Im schlimmsten Fall werden sie davon geprägt und an die Innenstadt gebunden.

Frau Schanz weiter:

Unseren Bayreuther Innenstadtgeschäften wäre dagegen zu wünschen, dass eine echte Belebung der Innenstadt durch eine Nutzung des Schulgebäudes durch Erwachsene stattfindet.

Das könnte sicher ein Konzept zu einer Belebung der Innenstadt sein, wenn es denn da nun wirklich ein Konzept gäbe. Zudem wäre dieser theoretische Nutzen durch den Wegfall der einzigen zentralen gebundenen Ganztagsschule erkauft. Menschen, die in der Innenstadt arbeiten, bringen ihr Kind in die Graserschule. Das fördert Arbeitsplätze in der Innenstadt. Eine andere Lösung oder ein Ersatzkonzept gibt es nicht.

Frau Schanz weiter:

Zum Beispiel wurde wiederholt angemerkt, dass das Gebäude als Lehrerbildungsstätte eingesetzt werden könnte. Das würde endlich Kaufkraft in die Innenstadt bringen, die unsere Bayreuther Geschäfte dringend nötig hätten. Das alte Schulgebäude könnte – trotz Schulneubaus an der Cottenbacher Straße – zu diesem Zweck saniert und erhalten bleiben.

Zur Nachnutzung:

Die Verlagerung des Instituts für Fachlehrer ist ein reines Gedankenspiel. Erst als wir das Thema „Nachnutzung“ nach dem Neubaubeschluss des Stadtrats zu Sprache brachten, haben die Befürworterfraktionen angefangen, sich darüber Gedanken zu machen. Das Institut braucht nach Aussagen zusätzliche Räume in „naher Zukunft“. Eine Nachnutzung des Schulgebäudes wäre aber frühestens 2022 möglich. Gerade heute machen die Fraktionsvorsitzenden von CSU und SPD wieder einen Bildchentermin in dem Institut für die Fachlehrerausbildung. Das ist aber schon alles.

Zur Kaufkraft und Innenstadt:

Frau Schanz reduziert hier Schüler auf Kaufkraft und die Innenstadt auf Einzelhandelsfläche. Das wird der Aufgabenstellung nun wirklich nicht ansatzweise gerecht.

Schüler lernen sich öffentlichen Raum selbständig zu bewegen. Dazu gehört sicher auch die Begegnung mit dem Einzelhandel.

Die Innenstadt ist vieles: Öffentlicher Raum zum Verweilen, sie bietet ein großes Angebot an öffentlichen Einrichtungen (Schwimmbad, RW21, Spielplätze), ist Treffpunkt, Arbeitstätte und sie ist Wohnraum – auch Wohnraum von Familien. Und die Innenstadt ist im Wandel – es wird mehr und mehr in attraktiven Wohnraum investiert.

Das hat im Wesentlichen zwei Gründe:

Der Focus der Hauseigentümer lag in den vergangenen Jahrzehnten auf der Vermietung von Ladenflächen. Durch die strukturellen Veränderungen im Handel hat sich die Nachfrage nach Ladenflächen deutlich reduziert, was sich auf die Mietpreise niedergeschlagen hat. Das Wegbrechen dieser Einnahmequelle hat den Focus wieder auf den Wohnraum verlagert und hier wird investiert.

Der andere Grund ist, dass urbanes Wohnen ein Trend ist, der nun auch in Städten wie Bayreuth angekommen ist. In Partnerschaften gehen heute in der Regel beide Partner einer Beschäftigung nach und die Menschen genießen immer mehr die kurzen Wege, verzichten hierbei gerne auf den privaten Garten zugunsten einer zentralen Wohnlage mit Balkon oder Dachterrasse. Für diese Menschen – die im privaten Bereich gerne auf das Auto verzichten, macht die Graserschule die Wohnlage Innenstadt attraktiver. Eine Verlagerung könnte diesen Trend  und dadurch das Sanierungsgebiet Innenstadt weiter schwächen und letztendlich zu einem Attraktivitätsverlust der Innenstadt für alle führen.

Zusammengefasst ergibt sich die Entscheidungsfrage für die Stadtentwicklung: Möchte man die Innenstadt weiter attraktiv halten oder will man sie zu Lasten der Entwicklung am Dienstleistungszentrum am Nordring schwächen?

Weiter geht es im Leserbrief mit:

Im Gespräch mit Freunden zeigt sich: Außerhalb von Bayreuth ist es kaum vermittelbar, dass hier überhaupt diskutiert wird, freiwillig auf den Neubau einer modernen Schule zu verzichten, in der sich zeitgemäße pädagogische Lernkonzepte, flexible Ganztagsbetreuung und vielfältige naturnahe Sport- und Pausenmöglichkeiten umsetzen lassen.

Ein paar Aspekte für die nächsten Gespräche:

Das Alter eines Gebäudes hat wenig mit dem zu tun, was darin geschieht. Die Graserschule ist eine moderne Grundschule und bisher hat uns jeder Lehrer versichert, dass er kein „zeitgemäßes pädagogisches Lernkonzept“ kennt, welches nicht in dem Gebäude umgesetzt werden könnte. Auch ist die Graserschule eine Schule mit einem gebundenen Ganztagszug und bietet darüber hinaus auch noch eine Mittagsbetreuung mit Anschlussbetreuung an. Die Pausenmöglichkeiten sind ja schon weiter oben beschrieben. Mehr Grün geht natürlich immer, aber auch an der Graserschule.

…und weiter im Text:

Ich wünsche mir für unsere Kinder keine Dauerbaustelle, in der über Jahre parallel zum Unterricht Sanierungslärm herrscht. Das kann jeder nachvollziehen, der je ein Gebäude saniert oder einen Neubau errichtet hat.

Ja, der Baufortschritt wird wahrnehmbar sein.

Aber, wie ist es denn geplant?

Die Pavillons bleiben während der Bauphase „beschult“ und die Sanierung wird in drei Abschnitten durchgeführt.

Zuerst wird ein Turm geräumt und saniert, dann ziehen die Kinder in den sanierten Turm und der nächste Abschnitt kommt dran. Wer sich mit dem Gebäude auseinandergesetzt hat, kann sich dem Eindruck nicht verwehren, dass das  Baureferat einen guten Plan erarbeitet hat, wie die Sanierung und der Umbau parallel laufen können.

Dass sie das können, zeigt sich gerade an andere Stelle in Bayreuth, beim GCE in der Albrecht-Dürer-Straße 2. Hier wird gerade an und umgebaut.

Bei der Sanierung werden die Kinder auch schneller von den Investitionen profitieren: Bereits für 2018 ist es geplant, dass den Ganztagsklassen der erste Bauabschnitt schon vollumfänglich zur Verfügung steht.

Frau Schanz weiter:

Und das Ergebnis der jahrelangen Bauarbeiten wäre nach wie vor ein – wenn auch frisch sanierter – unzeitgemäßer Altbau; mit zu großen Räumen, mit langen Gängen, mit so hohen Fenstern, dass Kinder kaum hinausschauen können. Ich wünsche unseren Kindern vielmehr helle, moderne Räumlichkeiten für eine fröhliche Grundschulzeit.

Dem Wunsch können wir  in Bezug auf die fröhliche Grundschulzeit nur anschließen. Moderne und helle Räumlichkeiten werden die Kinder auf jeden Fall bekommen. Im Falle der Sanierung schneller, im Falle eines Neubaus – so die Planungen der Stadtverwaltung – ein bisschen später.

Frau Schanz, vielen Dank für diesen Leserbrief. Bietet uns doch die Möglichkeit, auf die Vorteile einer Sanierung einzugehen!

2016-03-07T10:54:29+01:00

2 Comments

  1. […] wir uns schon mit dem Leserbief „Für eine fröhliche Grundschulzeit“ von Frau Schanz auseinandergesetzt haben, kommt nun ein Leserbrief aus der gleichen Ecke, von Herrn […]

  2. […] dem wir uns als erstes mit dem Leserbrief von Frau Schanz „Für eine fröhliche Grundschulzeit“ befasst haben, geht es hier nun um die Aussagen von Herrn Staudacher, dessen Leserbrief zeitgleich […]

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