Leserbrief „Vom Gegner zum Befürworter“

Faktenanalyse zum Leserbrief „Vom Gegner zum Befürworter“ von Thomas Staudacher im Nordbayerischen Kurier am 22.02.2016

Nach dem wir uns als erstes mit dem Leserbrief von Frau Schanz „Für eine fröhliche Grundschulzeit“ befasst haben, geht es hier nun um die Aussagen von Herrn Staudacher, dessen Leserbrief zeitgleich erschienen ist.

Für uns, die Bürgerinitiative „Rettet die Graserschule“, sind Leserbriefe, die die Graserschule betreffen, immer ein guter Aufhänger mit Teil- oder Fehlinformationen aufräumen zu können.

Im Leserbrief „Vom Gegner zum Befürworter“ führt Herr Staudacher an:

Wir Bayreuther dürfen entscheiden, ob es uns wert ist, die ein bis zwei Millionen Euro Mehrkosten für den Neubau auszugeben.

Es sind nicht zwei Millionen. Es sind viermal so viele. Es sind acht Millionen.

Die Renovierung würde nach Informationen des Hochbauamtes 8,0 Mio. € kosten, inklusive einer neuen Aula. Nach Abzug der Zuschüsse (2,5 Mio. €) bleibt für die Stadt ein Eigenanteil von 5,5 Mio. €. Ein Neubau in vergleichbarer Größe ist derzeit mit rund 14,7 Mio. € veranschlagt (kalkulierte Zuschüsse 2,7 Mio. €) Hinzu kommen noch Kosten für den Grunderwerb (ca. 1,5 Mio. €). So beträgt der Eigenanteil der Stadt 13,5 Mio. €. Folglich kostet ein Neubau mind. 8 Mio. € mehr als eine Sanierung. Dieses Geld fehlt dann an anderer Stelle, auch für die anderen Schulen. Die Sanierung ist daher auch die gerechte Maßnahme.

Kostenvergleich

Acht Millionen Euro mehr als die Sanierung. Acht Millionen Euro mehr und das Schulgebäude bleibt unrenoviert zurück

Als nächste führt Herr Staudacher dann an:

Es ist mittlerweile unstrittig, dass der Neubau die bessere Alternative ist. Schulleitung, Lehrer und Elternbeirat haben sich dafür ausgesprochen.

Eine sehr straffe Behauptung, wie aber ist die Sachlage?

Zur Schulleitung: Die Schulleitung hat in einem Brief klar Stellung genommen, dass sie mit beiden Alternativen gut leben kann, mit der Sanierung und dem Neubau. Mit dem Neubau, wenn bestimmte Bedingungen umgesetzt werden, ansonsten mit der Sanierung. Dieser Brief ist mit dem Kollegium abgestimmt und sollte so auch dessen Meinung widerspiegeln.

In der Vergangenheit wurde die Schule von der Politik immer wieder vernachlässigt und hängen gelassen. Vor allem auch von den Fraktionen, die nun den Neubau unterstützen. Daher ist es jetzt aus unsere Sicht zu begrüßen, dass die Hängepartie ein Ende haben wird und die Schule endlich mal eine Lobby hat.

Zum Elternbeirat: Der Elternbeirat hat bisher keinen Beschluss darüber gefasst, welche Alternative er bevorzugt. Daher ist die Aussage des Vorsitzenden Herrn Volker Schlör, die er auch gegenüber dem Nordbayerischen Kuriers getätigt hat, seine private Meinung und nicht die Meinung des Elternbeirats.

Diese Aussage von Volker Schlör wurde in der Zeitung veröffentlicht und damit hat er uns einen großen Dienst erwiesen: Einen so hohen Zulauf an Unterschriften von Eltern der Graserkinder hatten wir an keinem anderen Wochenende, wie nach dem seiner Behauptung.

weiter geht es im Text mit:

Warum aber sträuben sich die Verwaltung und die Oberbürgermeisterin gegen den Neubau?

Genauer: Gegen einen Neubau an dieser Stelle.

Bei dieser angedachten Verlagerung eine Grundschule handelt es sich um eine isolierte Einzelmaßnahme. Dahinter steht kein übergreifendes Konzept, welches eine Neuordnung der Grundschullandschaft Bayreuths ermöglichen würde, schlimmer noch: Der Standort hat eine vollständige Randlage bezüglich der Wohnbebauung. Damit ergeben sich nicht nur sehr weite Wege für sehr viele Kinder, man kann auch keine Kinder vernünftig hinzu „sprengeln“, wenn die Schülerzahlen im bisherigen Sprengel mal abnehmen.

Von der Schießhausstraße 22 sind es bereits 2000 Meter zum Bauplatz am Nordring, die Metzgerei Parzen in der Tannhäuserstraße ist „Midway“ zwischen dem Bauplatz am Nordring und der St. Georgen Schule und von der südlichen Sprengelgrenze sind es dann auch schon 2700 Meter. Das könnten alles Gründe sein, warum die Oberbürgermeisterin oder die Verwaltung von einen Neubau an der Stelle nicht zu begeistern sind. Vielleicht sind es auch die Mehrkosten in Höhe von 8.000.000.- €.

und dann:

Warum hat die BG einen Bürgerentscheid initiiert?

Die BG hat den Bürgerentscheid nicht initiiert. Es ist die Bürgerinitiative „Rettet die Graserschule“. Die gibt es schon lange. Die Historie kann man gerne hier nachlesen: Informationen „Rettet die Graserschule“ Es engagieren sich hier Bayreuther Bürger. Manche von Ihnen engagieren sich auch in Parteien und Wählervereinigungen, in der SPD, bei den Grünen, bei der BG und sogar auch in der CSU.

Die Bayreuther Gemeinschaft unterstützt, wie auch die Bayreuther Grünen und Unabhängigen, die Bürgerinitiative „Rettet die Graserschule“ im Rahmen des Bürgerentscheids. Dafür sind wir beiden auch sehr dankbar, stehen wir doch großen Parteiorganisationen gegenüber, die auf ganz andere Ressourcen zurückgreifen können, wie wir als Privatinitiative.

Nun führt Herr Staudacher an:

Ganz einfach: Es geht um mehr als nur um die Graserschule. Es geht um alle Bayreuther Schulen. Wenn man für eine bessere Graserschule mehr Geld ausgibt, dann kann man bei den anderen Schulen auch nicht sparen. Oder umgekehrt: Wenn wir Bayreuther uns für die Sparlösung bei der Graserschule entscheiden, dann wird man zukünftig mit gutem Grunde auch bei allen anderen Schulen sparen.

Gegen Vermutungen und Unterstellungen kann man schwer argumentieren.

Wie wissen nur, dass mit der sanierten Graserschule ein Zustand erreicht wird, nach dem sich andere Bayreuther Grundschulen sehnen. Küche, Mensa, Aufzüge, neue Technik und Installation, auch eine Aula und vieles mehr finden in einem Investitionspaket von acht Millionen Euro Berücksichtigung, von dem der städtische Haushalt 5,5 Millionen tragen muss.  Hier geht es um den sachgerechten Einsatz von Ressourcen. Diese sind begrenzt und müssen gerecht aufgeteilt werden. Bayreuth hat im Bereich der Schulen durchaus noch einen erheblichen Investitionsstau. Aktuell ist die Berufsschule in der Diskussion.

Wenn es der Stadtratsmehrheit, die das Ratsbegehren auf den Weg gebracht hat und mit aller Gewalt einen Schulneubau auf dem Bauplatz am Nordring versucht zu realisieren, wirklich die Bayreuther Schulen ginge, hätte diese sich nicht für eine solch isolierte Maßnahme entscheiden dürfen.

Nein: Hier wird versucht ein einziges Vorzeigeprojekt für wenige Kinder mit hohem Aufwand zu realisieren.  Die Kosten hierfür werden der Allgemeinheit aufgebürdet. Anschließend heißt es für alle anderen Kinder: Für Eure Schule ist kein Geld da.

weiter geht es mit:

Wenn wir Bayreuther uns für die Sparlösung bei der Graserschule entscheiden, dann wird man zukünftig mit gutem Grunde auch bei allen anderen Schulen sparen. Schließlich ist dies ja der ausdrückliche Wunsch der Bayreuther. Die Stadträte haben sich mit großer Mehrheit für den teueren – weil besseren – Neubau entschieden.

Wenn eine grundlegend sanierte Schule, bei der alle Anforderungen umgesetzt worden sind, eine Sparlösung ist, dann haben wir eine andere Auffassung von „gerecht“ und „sparen“ als der Leserbriefschreiber.

Die Stadträte haben entschieden und mehr als 5900 Bayreuther Bürger haben entschieden, dass alle Bürger über die Graserschule entscheiden sollen.

Dann kommt der Appell:

Wir sollten den Stadträten nun keine Steine mehr in den Weg legen, sondern ihr Bestreben für bessere Schulen unterstützen. Die Bayreuther Schüler und Schulen sollten uns das wert sein.

Wir legen den Stadträten keine Steine in den Weg, im Gegenteil, sondern wir drängen seit Jahren auf eine Sanierung der Schule. Die Sanierungspläne werden seit Jahren immer wieder neu erarbeitet, nur der Stadtrat blockiert. Unsere Kinder könnten schon lange bessere Bedingungen haben, nur haben andere Begehrlichkeiten das bisher verhindert.

Dann kommt noch die Aufforderung:

Wir sollten für den Neubau stimmen

Wir sind hier – für die Leser sicher überraschend – völlig anderer Meinung und würden uns wünschen, wenn Sie am 13. März für die Sanierung der Graserschule stimmen würden.

Einem Musterstimmzettel für diese Meinungsäußerung finden Sie hier: Musterstimmzettel und die Briefwahlunterlagen kann man hier anfordern: Anforderung Briefwahlunterlagen

…im Leserbrief geht es dann weiter:

Übrigens: Wenn die Gegner des Neubaus sich – trotz des schlechten Wetters – die Mühe gemacht hätten, das geplante Grundstück an der Cottenbacher Straße gemeinsam mit einigen Vertretern des Stadtrats zu besichtigen, bin ich davon überzeugt, dass viele Gegner zu Befürwortern geworden wären.

Bereits letzten Sommer haben wir den Bauplatz am Nordring besucht – bei Sonnenschein, ausgerüstet mit geeichtem Lärmmessgerät und uns ein Bild vor Ort gemacht. Damals war der Lärmschutzwall noch nicht kahl, sondern im schönsten Grün. Das Ergebnis Lärmbelastung ähnlich wie in der Innenstadt, schmales Gelände, von den 13.000 m² etwas mehr als die Hälfte nutzbar (die Neubaufraktion weißt exakt 7.500m² von dem Gelände als für die Schule nutzbar aus).  Wahrlich eine Idylle, die durch die Ansiedlung einer Schule unwiederbringlich zerstört werden würde.

Auf dem Gelände entstehen Parkplätze, Zufahrts-, Wirtschafts- und Rettungswege und die Oberfläche wird fast vollständig versiegelt. So ist das mit den Schulhöfen. Wer daran Zweifel hat, der muss sich nur einmal den modernsten Bayreuther Schulhof anschauen. Er ist an der Markgrafenalle 33 bei der Markgrafenschule. So viel Grün bleibt dann auch am Bauplatz am Nordring übrig, welches sich aber auch in der Schulstraße 4 realisieren lässt.

 

Auch Herrn Staudacher möchten wir für seinen Leserbrief danken, hat er uns doch ermöglicht unsere Einstellungen darzulegen.

 

 

2016-03-07T16:36:14+00:00

Ein Kommentar

  1. […] ist das gleiche Argument, welches auch Herr Staudacher in seinem Leserbrief „Vom Gegner zum Befürworter“ gebracht […]

Hinterlassen Sie einen Kommentar