Faktenanalyse: Klaus Klötzer und der Feinstaub (I)

Klaus Klötzer ist laut seinem öffentlichen Profil:

„geb. 27.12.1946, verheiratet, 1 Kind, Rektor i. R., Vorsitzender des Vereins „Internationales Jugendkulturzentrum Bayreuth e.V. („ZENTRUM“), Ehrenvorsitzender der „Sängerschaft FRANCO-PALATIA 1895 zu Bayreuth“; Vorsitzender BSV – Bayerischer Schulleitungsverband Oberfranken, stv. Vorsitzender „Freundeskreis der Markgrafenschule“ Stadtrat seit 1996; Fraktionsgeschäftsführer.

Mitglied in folgenden Ausschüssen, Aufsichtsräten und Kommissionen: Ältesten-, Haupt- und Finanz-, Kultur-, Umwelt-, Verkehrsausschuss; Kommission für die Städtepartnerschaft mit La Spezia; Aufsichtsrat Bayreuther Thermalbad GmbH, Aufsichtsrat BMTG, Aufsichtsrat Gewog, Kommission Abfallwirtschaft und Rad-Fußwegplanung, Ausschuss des Regionalen Planungsverbands Ofr.-Ost

Schwerpunkte: Schulen, Stadtentwicklung, Verkehr.“ (entnommen aus: http://csu-fraktion-bayreuth.de/mitglieder/klaus-kloetzer/)

Wenn so ein honoriger Zeitgenosse eine Aussage trifft, dann hat diese Gewicht. Das beeindruckt auch uns, umso mehr noch, wenn man dann diese Aussage, die auf einer großen Erfahrung fußt, in Bezug zur Realität setzt. Herr Klötzer setzt sich vehement für den Neubau einer Schule auf dem Bauplatz am Nordring ein. So kann man von ihm auf Facebook mehrfach die Aussage lesen:

ELTERN:

Ehrlich , würden Sie Ihr Kind freiwillig in eine Grundschule schicken, die an einem Ort mit der höchsten Feinstaubbelastung unserer Stadt liegt?

Bei „ELTERN“ fühlen wir uns natürlich direkt angesprochen. Viele von uns haben Kinder an der Graserschule und einige gehören auch zu den rund 50 Gastkindern, bei denen die Eltern sich bewusst und freiwillig dazu entschlossen haben, ihr Kind in die Schulstraße 4 zu schicken. Wie kommt aber Herr Klötzer zu der Aussage „höchsten Feinstaubbelastung unserer Stadt“?

Hat man in der Vergangenheit den überall in der Stadt Messungen durchgeführt? Wenn ja, wie hoch ist dann die Belastung des Bauplatzes am Nordring?

Nein, man hat keine flächendeckenden Messungen durchgeführt und man hat keine Ahnung davon, wie hoch der Bauplatz am Nordring mit Feinstaub belastet ist.

Weiter schreibt dann Herr Klötzer in seinem Post:

Laut Gutachten des Landratsamts Bayreuth – Abteilung Gesundheitswesen – zeigte sich bereits von 2004 bis 2006 ein kontinuierlicher Anstieg der Anzahl der Grenzwertüberschreitungen. Zulässig 35, gemessen 56 Überschreitungen.

Die dem Gutachten zugrundeliegenden Werte sind die Werte der Messstation Hohenzollernring. Diese Werte bilden auch die Grundlage für den Luftreinhalteplan 2006, der am Ende einen Katalog von Einzelmaßnahmen enthält, deren Umsetzung die Luftqualität von Bayreuth verbessern soll. Diese Maßnahmen sind im Wesentlichen umgesetzt und die von Herrn Klötzer angeführten Messwerte sind nun auch schon zehn Jahre alt. Da ist es an der Zeit einen Blick auf das „Hier und Jetzt“ zu werfen.

Es gibt immer noch eine Messstation am Hohenzollernring, diese misst auch immer noch den Feinstaub mit der Partikelgröße PM10 auf die sich Herr Klötzer bezieht. Die Messdaten sind Online ab 2011 verfügbar. So kann man folgende Tabelle aus den Zahlen entwickeln:

 

Messtation Hohenzollernring

 

Was beutet Das für die Graserschule?

Bei der Feinstaubbelastung betrachten man zwei Aspekt, den Tageswert und das Jahresmittel und setzt für beide Werte Grenzwerte fest.  Der Grenzwert des Tagesmittels darf innerhalb eines Jahres maximal 35 Mal überschritten werden. Das führt zu folgendem Diagramm:

Diagramm Tageswert

 

Mindestens seit 2011 ist man also am Hohenzollernring weit unterhalb der gesetzlichen Forderung und auch der Trend zeigt deutlich nach unten.

Der zweite Aspekt bei der Feinstaubbelastung ist der Jahresmittelwert. Hier wird ein Grenzwert von 40µg/m³ gesetzt. Die Werte der Messstation am Hohnzollerring ergeben für diesen Aspekt folgendes Schaubild:

Diagramm Jahresmittelwert

Aus hier ist man mindestens seit 2011 am Hohenzollernring weit unterhalb der gesetzlichen Forderung und auch der Trend zeigt nach unten.

 

Die Forderung von Klaus Klötzer

Deshalb erscheint ein Neubau der Graserschule an einem weniger belasteten Ort sinnvoll – den Kindern zuliebe.

ist mit den Fakten nicht zu belegen, zumal es für den vermeintlich “ weniger belasteten Ort“ keine Messwerte gibt und eine Standortverlagerung an den Nordring sogar zu einer Verschlechterung der Situation führen kann.

Die Feinstaubbelastung gibt keinen Anlass, die Schule zu verlegen!

 

Eine Ergänzung vom 10.032016: Klaus Klötzers behauptet der Schulhof zum Hohenzollernring sei wegen Feinstaub gesperrt. Eine Nachfrage bei der Schulleitung der Graserschule brachte das Ergebnis, dass der Pausenhof nicht gesperrt ist.

2016-03-10T13:48:26+01:00

Ein Kommentar

  1. […] sehr – zeigt er doch ein hohes ehrenamtliches Engagement – und bereits im Beitrag „Faktenanalyse: Klaus Klötzer und der Feinstaub (I)“ haben wir über seine Aussagen geschrieben. Da ging es um einen Sachverhalt der rund zehn Jahre […]

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