Leserbrief „Aufgrund sachlicher Argumente für den Neubau“

Faktenanalyse zum Leserbrief „Für eine fröhliche Grundschulzeit“ „Aufgrund sachlicher Argumente für den Neubau“ von Deborah Sebastian Schanz im Nordbayerischen Kurier am 22.02.2016 9.03.2016

Für uns, die Bürgerinitiative „Rettet die Graserschule“, sind Leserbriefe, die die Graserschule betreffen, immer ein guter Aufhänger um im persönlichen Gespräch mit Teil- oder Fehlinformationen aufräumen zu können. Der Zuspruch, den wir aufgrund der schriftlichen Auseinandersetzungen mit diesen Leserbriefen erhalten haben, ermutigt uns, diesen Weg weiterzugehen.

Nachdem wir uns schon mit dem Leserbrief „Für eine fröhliche Grundschulzeit“ von Frau Schanz auseinandergesetzt haben, kommt nun ein Leserbrief aus der gleichen Ecke, von Herrn Schanz.

Sebastian Schanz hat seinen Leserbrief betitelt mit „Aufgrund sachlicher Argumente für den Neubau“ und startet mit:

In der Debatte sollten vermehrt sachliche Argumente stehen. Fakt ist, dass es durch die Änderung des Status quo immer Gewinner und Verlierer geben wird. Der Verlierer der inzwischen jahrelangen Auseinandersetzung zu diesem Thema steht fest: Es sind die Kinder!

Stimmt. Die Graserschule müsste schon längst saniert sein. Einfach mal in die Chronologie hineinschauen: Chronologie der Neubauidee.

Wir legen den Stadträten keine Steine in den Weg, im Gegenteil, sondern wir drängen seit Jahren auf eine Sanierung der Schule. Die Sanierungspläne werden seit Jahren immer wieder neu erarbeitet, nur der Stadtrat blockiert. Unsere Kinder könnten schon lange bessere Bedingungen haben, nur haben andere Begehrlichkeiten das bisher verhindert.

Ich sehe die Kinder verstärkt durch die politische Debatte als Objekt divergierender Interessen missbraucht. All denjenigen, die nicht direkt betroffen sind, da sie derzeit oder in Zukunft keine Kinder auf die Graserschule geben oder nicht dort arbeiten, muss die Diskussion inzwischen auf die Nerven gehen.

Auch dem können wir uns vorbehaltlos anschließen.

Allerdings werden vermehrt Kostenaspekte als sachliches Argument für die Sanierung und gegen den Neubau angeführt. An dieser Stelle wird es für alle Bayreuther Schulen interessant. Denn wenn das Sparargument (pro Sanierung) sich durchsetzt, betrifft das Signal verhaltener Investitionstätigkeit in die Bildung alle Bayreuther Schulen.

Das ist das gleiche Argument, welches auch Herr Staudacher in seinem Leserbrief „Vom Gegner zum Befürworter“ gebracht hat.

Wenn eine grundlegend sanierte Schule, bei der alle Anforderungen umgesetzt worden sind, eine Sparlösung ist, dann haben wir eine andere Auffassung von „gerecht“ und „sparen“ als der Leserbriefschreiber.

Mit der sanierten Graserschule wird ein Zustand erreicht, nach dem sich andere Bayreuther Grundschulen sehnen. Küche, Mensa, Aufzüge, neue Technik und Installation, auch eine Aula und vieles mehr finden in einem Investitionspaket von acht Millionen Euro Berücksichtigung, von dem der städtische Haushalt 5,5 Millionen tragen muss. Hier geht es um den sachgerechten Einsatz von Ressourcen. Diese sind begrenzt und müssen gerecht aufgeteilt werden. Bayreuth hat im Bereich der Schulen durchaus noch einen erheblichen Investitionsstau. Aktuell ist die Berufsschule in der Diskussion.

Wenn es der Stadtratsmehrheit, die das Ratsbegehren auf den Weg gebracht hat und mit aller Gewalt einen Schulneubau auf dem Bauplatz am Nordring versucht zu realisieren, wirklich um die Bayreuther Schulen als Ganzes ginge, hätte diese sich nicht für eine solch isolierte Maßnahme entscheiden dürfen.

Nein: Hier wird versucht ein einziges Vorzeigeprojekt für wenige Kinder mit hohem Aufwand zu realisieren. Die Kosten hierfür werden der Allgemeinheit aufgebürdet. Anschließend heißt es für alle anderen Kinder: Für Eure Schule ist kein Geld da.

Als nächstes führt Sebastian Schanz an:

Zu den Argumenten der Initiative „Ja zur Sanierung“ ist zu sagen: Die Aussage „Ja zu einer Schule für alle“ ist wertlos, da sie nicht hinreichend präzisiert ist.

In unserem Flyer „Ja zur Sanierung“ steht hierzu:

Die Graserschule ist die einzige zentrale Ganztagsschule, die allen Schülern aus Bayreuth offensteht – optimal über die ZOH an den ÖPNV angebunden. 50 Gastschüler aus anderen Sprengeln zeigen deren große Beliebtheit.

Und genau darum geht es. Ein Neubau auf dem Bauplatz am Nordring – außerhalb der städtischen Wohnbebauung – würde ein Loch in die Bayreuther Schullandschaft reißen. Wohin dann mit den Kindern der Innenstadt? In die ebenfalls stark sanierungsbedürftige Luitpoldschule ohne gebundenen Ganztagszweig mit kleinerem Pausenhof?

Die Graserschule in der Schulstraße 4 ist eine Schule für alle, weil sie sich schon lange über eine reine Sprengelschule hinaus entwickelt hat und nach Ansicht vieler Eltern von Schülern aus anderen Sprengeln genau das richtige Schulangebot genau am richtigen Platz ist. Das Indiz hierfür ist die große Zahl an Gastschülern.

Dann nimmt sich Herr Schanz das nächste Argument aufs Korn:

Das Argument „Ja zu einer lebendigen Innenstadt“ wird jeder unterstreichen, da es gut klingt. Leider ist die Aussage aber ebenso unpräzise. Betrachtet man die Metapher der „lebendigen Innenstadt“ polemisch, wird die „Lebendigkeit“ durch die Sanierung nur dadurch verstärkt, dass mehr genervte Eltern mit dem Auto in die Stadt fahren, dort ihren Emissionsbeitrag leisten, um ihre Kinder abzuholen, wenn die Schüler der Pavillons auch ins Haupthaus gehen.

Bitte: Es geht hier nicht um Sanierung oder nicht Sanierung, sondern um den Erhalt eines zentralen Schulstandortes oder dessen Schließung nach Verlagerung. Das ist eine völlig andere Betrachtungsweise. Die Innenstadt hat sehr kleinteilige Strukturen.

Die Innenstadt ist vieles: Öffentlicher Raum zum Verweilen, sie bietet ein großes Angebot an öffentlichen Einrichtungen (Schwimmbad, RW21, Spielplätze), ist Treffpunkt, Arbeitsstätte und sie ist Wohnraum – auch Wohnraum von Familien. Und die Innenstadt ist im Wandel – es wird mehr und mehr in attraktiven Wohnraum investiert.

Das hat im Wesentlichen zwei Gründe:

Der Focus der Hauseigentümer lag in den vergangenen Jahrzehnten auf der Vermietung von Ladenflächen. Durch die strukturellen Veränderungen im Handel hat sich die Nachfrage nach Ladenflächen deutlich reduziert, was sich auf die Mietpreise niedergeschlagen hat. Das Wegbrechen dieser Einnahmequelle hat den Focus wieder auf den Wohnraum verlagert und hier wird investiert.

Der andere Grund ist, dass urbanes Wohnen ein Trend ist, der nun auch in Städten wie Bayreuth angekommen ist. In Partnerschaften gehen heute in der Regel beide Partner einer Beschäftigung nach und die Menschen genießen immer mehr die kurzen Wege, verzichten hierbei gerne auf den privaten Garten zugunsten einer zentralen Wohnlage mit Balkon oder Dachterrasse. Für diese Menschen – die im privaten Bereich gerne auf das Auto verzichten, macht die Graserschule die Wohnlage Innenstadt attraktiver. Eine Verlagerung könnte diesen Trend und dadurch das Sanierungsgebiet Innenstadt weiter schwächen und letztendlich zu einem Attraktivitätsverlust der Innenstadt für alle führen.

Zusammengefasst ergibt sich die Entscheidungsfrage für die Stadtentwicklung: Möchte man die Innenstadt weiter attraktiv halten oder will man sie zu Lasten der Entwicklung am Dienstleistungszentrum am Nordring schwächen?

Sebastian Schanz weiter:

Und: Ich möchte meine Kinder nicht als „Innenstadtbeleber“ missbraucht wissen.

Die Kinder sind aber einfach da. Für 36% der Sprengelkinder ist die Graserschule zu Fuß am kürzesten zu erreichen und weitere 50 Kinder sind als Gastschüler in dem Gebäude, weil die Schule nach dem Wunsch ihrer Eltern genau das Angebot ist, welches sie sich für ihre Kinder wünschen. Warum das ohne Not ändern?

Natürlich ergibt sich durch den Wegfall des Jahrzehnte andauernden Provisoriums der Pavillons an der Bürgerreuth eine neue Situation. Warum aber nicht die Lösung „Schulbus“ wählen, wie auch in vielen anderen Stadtteilen Bayreuths (Wolfsbach, Hohlmühle, Hussengut, Seulbitz, Aichig, Storchennest, Grunau, Destuben, etc.)? Damit erreicht man deutliche kürzere Laufwege für die Kinder und erhält auch für zukünftige Sprengeländerungen eine höhere Flexibilität.

Herr Schanz bleibt bei der Innenstadt:

Die Innenstadt mit ihren dort angesiedelten Gewerben wird sich aufgrund der wachsenden Konkurrenz durch das Internet künftig stark verändern müssen.

Im Präsens: Sie hat sich heute schon verändert. Sie wird zunehmend zu einem normalen Stadtteil, in dem immer mehr Wohnraum saniert wird. Auch für Familien. Den Trend „urbanes Wohnen“ haben wir bereits oben dargelegt. Der gesamte Innenstadtbereich Bayreuths ist als Sanierungsgebiet ausgewiesen und hat als Ziele:

  • Stärkung der Innenstadt mit all ihren vielfältigen Funktionen, vor allem auch der Versorgung
  • Stärkung der Innenstadt als Kulturort Bayreuths
  • Stärkung und Neuausrichtung des Wohnstandorts Innenstadt (für verschiedene Zielgruppen)

In diesem Rahmen ist die Graserschule in der Schulstraße 4 ein fester Bestandteil.

Weiter geht es dann in dem Leserbrief mit:

Welchen Teil die Kinder dazu beitragen sollen, wird nicht gesagt.
Um was geht es eigentlich? Um Wirtschaftsförderung oder Bildung?

Auf der einen Seite geht es hier darum, eine Schule fit für die Zukunft zu machen, damit diese weiterhin Kindern und Lehrern eine optimale Lern- und Lehrumgebung bietet. Daher gibt es das Sanierungspaket für das Schulgebäude an der Schulstraße 4. Zum anderen geht es aber auch den Stadtteil „Innenstadt“, der sich im Wandel befindet, und für die weitere Entwicklung besondere Unterstützung benötigt.

Als nächstes führt Sebastian Schanz an:

Zum Argument „Ja zu einer Schule der kurzen Wege“ ist eigentlich alles gesagt. Es wird durch einen Neubau Schulweggewinner und -verlierer geben.
Aber, und das ist belegt, wird für denjenigen, der über statistische Grundkenntnisse verfügt, schnell ersichtlich, dass sich im Fall des Neubaus
im Vergleich zur Sanierung die Schulwege insgesamt verkürzen.

36% Der Sprengelschüler haben den kürzeren Weg zur Graserschule, 55% zum Bauplatz am Nordring und 9% zur Grundschule St. Georgen. Hat dieses Ergebnis die Signifikanz, die eine Verlagerung der Schule an den Bauplatz am Nordring rechtfertigen würde?

Und dann geht es weiter mit:

Zugegeben, und das wird bei der derzeitigen Diskussion vernachlässigt, ist dies das Ergebnis einer Momentaufnahme.
Wo die Familien in Zukunft leben, ist, zumindest langfristig, rein spekulativ.

Das ist richtig, hält Herrn Specht aber nicht davon ab, über eine Entwicklung der Herzogsmühle als Wohngebiet zu spekulieren und dieses als Argument für den Bauplatz am Nordring ins Felde zu führen. Die Herzogmühle gehört bisher zum Sprengel der Herzoghöheschule und ist von dieser auch gleich weit entfernt, interessiert aber Herrn Specht nicht. Ist ja auch nur spekulativ.

Trotzdem: Wenn man eine Entwicklung strategisch beeinflussen will, dann kann man das mit dem Standort einer Schule durchaus. Daher noch einmal die Entscheidungsfrage für die Stadtentwicklung: Möchte man die Innenstadt weiter attraktiv halten oder will man sie zu Lasten der Entwicklung am Dienstleistungszentrum am Nordring schwächen?

Dann führt der Schreiber aus:

Zu den „kurzen Wegen“ sei noch erwähnt, dass derzeit selbst kurze Wege, wie der Weg von der Graserschule zum Schlittschuhfahren ins Eisstadion
mit dem Bus zurückgelegt werden.

Diese Ausführung hat uns doch überrascht, da wir davon ausgegangen sind, dass die Kinder diese Wege laufen. Daher haben wir eine Befragung mit Graserkindern (am Frühstückstisch) durchgeführt. Das Ergebnis für die Kinder, die in das Haupthaus gehen: Sie laufen.

Als nächstes geht es weiter mit:

Was in der Diskussion zudem untergeht ist, dass im Fall einer Sanierung die vier Schulklassen des Pavillons mit insgesamt rund 75 Kindern auch in der Graserschule räumlich untergebracht werden müssen. Selbst die Schulleitung ist der Meinung, dass dies aus Platzgründen kaum vertretbar ist und spricht
sich für einen Neubau aus.

Das ist so nicht richtig. Der Schulleiter hat sich relativ früh für die „Einhäusigkeit“ der Schule ausgesprochen, als es noch um eine theoretische Sanierung der Pavillons an der Bürgerreuth ging. Er habe „genug Platz“ für alle Schüler im Haupthaus an der Schulstraße 4. Erst wesentlich später kam dann die Neubauidee auf.

Die Schulleitung hat in einem Brief klar Stellung genommen, dass sie mit beiden Alternativen gut leben kann, mit der Sanierung und dem Neubau. Mit dem Neubau, wenn bestimmte Bedingungen umgesetzt werden, ansonsten mit der Sanierung. Dieser Brief ist mit dem Kollegium abgestimmt und sollte so auch dessen Meinung widerspiegeln.

In der Vergangenheit wurde die Schule von der Politik immer wieder vernachlässigt und hängen gelassen. Vor allem auch von den Fraktionen, die nun den Neubau unterstützen. Daher ist es jetzt aus unsere Sicht zu begrüßen, dass die Hängepartie ein Ende haben wird und die Schule endlich mal eine Lobby hat.

Am Ende schließt Herr Schanz mit:

Fazit: Grundsätzlich wäre mir eine Sanierung oder ein Neubau egal, aber aufgrund sachlicher Argumente, insbesondere der Schaffung einer Lern und Lehrumgebung für die Kinder und Lehrkräfte nach neuesten Erkenntnissen, gebe ich meine Stimme für den Neubau.

Wir danken Herrn Schanz für seinen Leserbrief, hat er uns doch deutlich gezeigt, dass hier noch ein großes Informationsdefizit herrscht und wir hoffen, dieses mit unserem Beitrag verringert zu haben.

Am Sonntag ist es so weit: Sie können entscheiden!

Bitte stimmen Sie für die Sanierung der Graserschule. Das Sanierungskonzept ist rund, es erhält die Schule für alle, eine moderne Schule der kurzen Wege im historischem Gewand!

Dies erreichen Sie, wenn Sie so abstimmen:

Musterstimmzettel-Graserschule

2016-03-10T09:15:44+00:00

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