22 03, 2016

Nachlese zum Bürgerentscheid

Ein wenig scheint es immer Glückssache zu sein, wie man in einem Zeitungsartikel zitiert wird. Niemand von „Rettet die Graserschule“ konnte wirklich mit diesem positiven Wahlausgang rechnen. Umso größer war dann die Freude! Das in den ersten Interviews immer wieder auftauchende „Bauchgefühl“ war sicher nicht Entscheidungsgrundlage der Bürger, denn es gab viele starke Argumente für die Sanierung.

testschulhaus

Nun, da die Entscheidung gefallen ist, wollen wir doch noch zwei Stimmen aus dem Nordbayerischen Kurier zu Wort kommen lassen und kurz kommentieren. Frau Dr.  Lex (CSU) wird am 14.3.2016 zitiert:

 „Am Ende war das ein Politikum, auch eine Machtfrage.“

Nicht erst am Ende. Leider wurde die Diskussion von Anfang an im Stadtrat geführt wie eine politische Kampagne. Die Betroffenen wurden von den Neubaubefürwortern  ignoriert und es wurde immer wieder die seltsame Behauptung aufgestellt, es ginge um Machtverhältnisse im Stadtrat oder eine Bestätigung bzw. Schwächung der Oberbürgermeisterin, nur weil diese sich, nach dem Abwägen verschiedener Sachargumente, für die Sanierung der Schule ausgesprochen hatte.

Wir haben als Bürgerinnen und Bürger, sowie als Betroffene, ein großes Interesse an der Graserschule und der Innenstadt.  Vom Stadtrat erhofften wir, dass er erkennt, wie wichtig es ist,  sich mit den Betroffenen ernsthaft und rechtzeitig zusammen- und auseinanderzusetzen, wenn es um Themen geht, die die Innenstadt betreffen. Dabei muss es letztlich egal sein, ob irgendwer  „an Macht gewinnt“, sondern es sollte um die Sache gehen.

Weiter geht es im Zitat:

 „Auch, wie diese Debatte geführt wurde, beschäftigt die CSU-Stadträtin weiter. Von der Lex-Schule oder der Bonzen-Schule war in den sozialen Netzwerken die Rede – und das waren noch die zahmeren Formulierungen. „Man musste sich teilweise persönlich angreifen lassen, weil man eine Meinung vertreten hat“, sagt die CSU-Stadträtin. Und nennt das bedenklich.“

Niemand wurde von uns persönlich angegriffen, weil er oder sie sich für eine Sache einsetzt. Angegriffen wurden StadträtInnen dafür, dass sie protestierende Bürger ignoriert und ihnen manipulatives Verhalten unterstellt haben, während man gleichzeitig immer stärker den Eindruck gewann, dass die Betroffenen, und dann auch die Bürger, durch unausgegorene Argumente und verwirrende Formulierungen über den Tisch gezogen werden sollten.
Ist Frau Dr. Lex nie auf die Idee gekommen, dass wir vielleicht die Wahrheit sagen und tatsächlich eine relevante Eltern- und Bürgermeinung vertreten könnten? Oder, dass man unsere Proteste und Unterschriftensammlungen nicht einfach vom Tisch wischen kann, wie Herr Bauske (SPD) in der Stadtratssitzung, nur weil das böse, „manipulative“ Internet genutzt wurde?

„Noch etwas gibt es, worüber es sich nachzudenken lohnt, sagt Lex. „Sind wir wirklich so weit von den Bürgern weg? Haben wir ein Kommunikationsproblem?“ Das gilt nicht nur für den Bürgerentscheid zur Graserschule. Das gilt mehr noch für das überraschende Votum der Bayreuther gegen eine Ersatzspielstätte in der Rotmainhalle. „Wir müssen fragen, was wir falsch machen im Umgang mit den Bürgern“, sagt die CSU-Stadträtin. „Und da schließe ich alle im Stadtrat und die Oberbürgermeisterin mit ein.“

Dem kann man sicher zustimmen. Anstatt von oben herab zu entscheiden und dies dann dem Bürger zu „verkaufen“, könnte es weiterhelfen, rechtzeitig MIT den Bürgern zu kommunizieren. Der Blick über den politischen Tellerrand ist wichtig.
Es ist in den letzten zehn Jahren einiges schief gelaufen in Bayreuth. Die Bürger erwarten inzwischen mehr Klarheit und Transparenz. Vielleicht lässt sich dadurch das durch den ständigen Hickhack verspielte Vertrauen zurückgewinnen.

Nun aber endlich zurück zum Thema: Die Graserschule.

Hierzu ebenfalls ein Zitat aus dem Nordbayerischen Kurier vom 13.3.2016:

„Was muss jetzt passieren, dass es weitergeht für die Graserschule?
Huber: Ich hoffe, dass jetzt ganz schnell Gespräche geführt werden. Gespräche, an denen die Stadt Bayreuth, die Schulleitung, die Lehrer und die Mitglieder des Elternbeirats teilnehmen können. Denn derartige Gespräche sind bislang kaum geführt worden. Dann müssen ganz schnell Pläne auf den Tisch kommen, anhand derer man etwas entwickeln kann. Dazu gehört, dass man bei der Begrünung, was machen kann, dass man beispielsweise das Dachgeschoss der Schule mit einbeziehen kann in die Planungen.
Gehen Sie davon aus, dass man bei der Sanierung das gleiche Ergebnis, die gleiche Qualität schaffen kann, wie man es bei einem Neubau hätte erreichen können?
Huber: „Das ist tatsächlich eine schwierige Frage. Ich denke aber, dass man eine sehr hohe Qualität erreichen kann, wenn man entsprechend viel Geld in die Hand nimmt. Und wenn man das, was man anpacken will, richtig macht. Dazu gehört, dass es die Möglichkeit gibt, eine Aula anzubauen, eine Mensa. Dazu gehört natürlich auch, dass man den Pausenhof in Richtung Parkplatz erweitert. Dass man den Schallschutz im Vergleich zu dem, was bislang gemacht wurde.Bestimmte Dinge aber werden sicher im Altbau nicht gehen.“

Das sind doch schon sehr schöne Ansätze. Im Altbau gehen andere Dinge, als in einem Neubau. Wenn alle Interessierten einbezogen werden, ja vielleicht sogar auch Eltern zu Wort kommen, die noch kleinere Kinder haben, die dann in die frisch renovierte Schule eingeschult werden, kann das Projekt nur gelingen. Wir freuen uns darauf!

14 03, 2016

Einen Meilenstein erreicht, aber das Ziel ist noch fern.

Graserschule Bayreuth

Es ist ein Meilenstein.
Noch nie waren wir in unserem bald 10-jährigen Kampf für den Erhalt der Graserschule so weit. In einem Bürgerentscheid wurde mit großer Mehrheit für die Sanierung der Schule gestimmt.
Aber ist das Ziel damit erreicht?

Nein, dieses liegt noch fern. Nun geht es darum, dass die Sanierung auch schnell und zeitnah durchgeführt wird und auch in dem Umfang, der uns gefordert und von der Stadtverwaltung geplant ist.

Wir hoffen, dass alle politischen Kräfte den klar zum Ausdruck gebrachten Bürgerwillen akzeptieren, entsprechend handeln und nicht weiter zu Lasten der Kinder die notwendigen Entscheidungen blockieren.

Für uns bedeutet das: Dran bleiben! Gespräche führen und die Entscheidungsträger dabei zu unterstützen, die richtige Entscheidung zu treffen. Immer wieder anschieben. Helfen Sie mit, dass die Graserschule schnell fit für die nächsten Schülergenerationen gemacht wird!

Bisher haben wir nur einen Meilenstein erreicht – das Ziel ist die generalsanierte Graserschule in der Schulstraße 4, barrierefrei, mit neuen Speisesaal, Aula für alle Schüler der Graserschule.

Erst dann werden wir uns zurücklehnen.

13 03, 2016

Chronologie der Neubauidee

Juli 2006
Der langjährige Rektor der Graserschule, Werner Dengler, geht in den Ruhestand. Seine Graserschule und seine Graserschüler waren sein ganzer Stolz. Er kämpfte nicht nur immer wieder gegen Vorurteile von außen an, er schaffte im Inneren bei den Schülern ein Bewusstsein für die Schönheit unserer Stadt und ihrer Umgebung und für die Besonderheit des historischen Schulhauses.
In Zusammenarbeit mit den Schülern und der schulpädagogischen Fakultät der Uni Bayreuth wurde mit viel Liebe zum Detail sogar ein Schulmuseum eingerichtet. Dazu liest man auf der Website der Schule zur Frage „Was kann uns der Pädagoge Johann Baptist Graser heute noch bedeuten?
Die Graserschule orientiert sich bei der Gestaltung ihres Schullebens an einem erzieherischen Grundgedankens Grasers. Es war uns ein Anliegen, unsere Schulkinder so weit wie möglich an der Ausgestaltung eines „Graserzimmers“ in unserer Schule zu beteiligen. So entstand der Plan, den Kindern Grasers vier „Leitgedanken wahrer Menschlichkeit“ – Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe und Schönheit – nahe zu bringen.“

November 2006
Im Stadtrat gibt es Bestrebungen, die Graserschule zu schließen, obwohl beim Bau des ZOH erst für viel Geld der Pausenhof neu gestaltet wurde mit Schallschutzmauer, Bachlauf, Klettergerüst, Ruhezone.

Die neue Rektorin, Katharina John, kämpft mit den Lehrern und Eltern um ihre Schule. Sie entwickelt mit Eltern und Lehrern ein Konzept für eine moderne Ganztagsschule im historischen Gebäude.
Der Stadtrat beschließt, die Graserschule zu erhalten und zu sanieren.

ab 2009
Die Räume, die durch die Aufgabe der Teilhauptschule frei wurden, werden renoviert und, mit Einbeziehung der Lehrer, Eltern und Schüler entstehen Speisesaal, Spielzimmer, Musikzimmer, Computerraum, Bücherei oder Lernwerkstätten. Jeder dieser Räume ist größer, als ein heutiges Standardklassenzimmer.

2010
Die Graserschule startet den Ganztagszweig, der bald ein voller Erfolg wird. Auch in der Regelklasse nehmen die Gastschulanträge zu.
Mit einem Festakt feiert die Graserschule ihren 135. Geburtstag. Die Schüler sind mit Begeisterung dabei.

2011
Frau John übernimmt die Leitung der Schule an ihrem Heimatort. Andreas Huber leitet nun die Graserschule.

2011-2013
Die Sanierung der Graserschule schreitet voran. Die Fenster, das Dach und die Fassade werden erneuert.
Der nächste Schritt ist die endgültige Planung der Innengestaltung. Die 4 Klassen der Pavillons sollen, wie schon seit 2006 geplant, ins Schulhaus integriert werden, während die Räumlichkeiten der Landesbildstelle und der Schulpsychologen frei gemacht werden, sowie die frühere Hausmeisterwohnung im Dach in die Nutzung einbezogen wird. Platz gibt es mehr als genug.
Die Schüler aus dem nördlichen Sprengelbereich sollen nach dem Vorbild Hussengut/St. Georgenschule mit einem kostenlosen Schulbus ins Haupthaus gebracht werden.

2013/2014
Die Elternschaft der Pavillons an der Bürgerreuth fordern den Erhalt der Pavillonteilschule aus den geburtenstarken 60ern.
Sie finden starke Unterstützung in Stadträten der CSU und der FDP, die zum Teil selbst im Bereich Gartenstadt/Grüner Hügel wohnen.

2014
Der Stadtrat lehnt für die Pavillons eine Sanierung oder einen Ersatz als nicht sinnvoll und zu teuer ab.
Hinter dem Rücken der Schule entwickelt sich aber der Plan, die Graserschule zu schließen und komplett durch einen Neubau zu ersetzen.
Also wird die Graserschule in den Stadtratssitzungen in jeder Hinsicht schlecht geredet, ohne dass sich diese CSU- und FDP-Stadträte mit den Stärken der heutigen Schule und den Bedürfnissen der heutigen Schüler im Graserschulhaus befasst hätten.
In der SPD träumen zufällig einzelne StadträtInnen den Traum von einer Schule nach Reformschulkonzepten. Wichtig scheint dafür moderne Architektur zu sein, nicht aber die Einbeziehung der Schule, die beglückt werden soll. So lassen sie sich vor den Karren der CSU/FDP spannen und verschließen ebenfalls die Augen vor dem, was die Graserschule für die Innenstadt bedeutet.

Plötzlich wird also beschlossen, nach einem „innenstadtnahen“ Standort für einen Neubau zu suchen.

Seitdem liegt der Abschluss der Sanierung auf Eis und die Graserschule im Dornröschenschlaf!

Entsetzt über das Vorgehen hinter dem Rücken und ohne Einbeziehung der Betroffenen, gründen Eltern der Graserschule die Bürgerinitiative „Rettet die Graserschule“.

2015
Es wurde, wie zu erwarten war, kein verkäufliches oder bezahlbares innenstadtnahes Grundstück gefunden.
CSU und FDP bringen nun das Grundstück zwischen Nordring und Psychiatrie ins Spiel. Die Innenstadt hat bei all den Plänen schließlich nie eine Rolle gespielt.
Die ungünstige Lage, die Größe des Grundstückes, sowie der Preis und die Baukosten, werden idealisiert.

Leider entschied der Stadtrat mit knapper Mehrheit, die Graserschule zu schließen und eine neue Schule zu bauen, koste es, was es wolle.

2016
Die Initiative „Rettet die Graserschule“ konnte mit Hilfe vieler Bürger, der BG, der Grünen und Teilen der SPD ein Bürgerbegehren auf den Weg bringen.

Die Stadträte, die den Neubau wollen, scheinen davon auszugehen, dass vielen Bayreuthern die Graserschule wichtig genug ist, zur Abstimmung zu gehen. Denn sonst könnten sie sich ja zurücklehnen. Zu wenig Interesse heißt automatisch: Neubau.
Ihre Reaktion ist aber, dem Bürgerbegehren ein Ratsbegehren gegenüber zu stellen und dem Bürgerbegehren Steine in den Weg zu legen. Unter anderem versuchten sie (zum Glück vergeblich!) zu verhindern, dass der Begriff „Rettet die Graserschule“ verwendet werden darf.

Am 13. März 2016 wird sich entscheiden, was den Bayreuthern ihre lebendige, familienfreundliche Innenstadt bedeutet.

Liebe Bayreuther, helfen Sie mit, unsere Graserschule zu erhalten!

9 03, 2016

Leserbrief „Aufgrund sachlicher Argumente für den Neubau“

Faktenanalyse zum Leserbrief „Für eine fröhliche Grundschulzeit“ „Aufgrund sachlicher Argumente für den Neubau“ von Deborah Sebastian Schanz im Nordbayerischen Kurier am 22.02.2016 9.03.2016

Für uns, die Bürgerinitiative „Rettet die Graserschule“, sind Leserbriefe, die die Graserschule betreffen, immer ein guter Aufhänger um im persönlichen Gespräch mit Teil- oder Fehlinformationen aufräumen zu können. Der Zuspruch, den wir aufgrund der schriftlichen Auseinandersetzungen mit diesen Leserbriefen erhalten haben, ermutigt uns, diesen Weg weiterzugehen.

Nachdem wir uns schon mit dem Leserbrief „Für eine fröhliche Grundschulzeit“ von Frau Schanz auseinandergesetzt haben, kommt nun ein Leserbrief aus der gleichen Ecke, von Herrn Schanz.

Sebastian Schanz hat seinen Leserbrief betitelt mit „Aufgrund sachlicher Argumente für den Neubau“ und startet mit:

In der Debatte sollten vermehrt sachliche Argumente stehen. Fakt ist, dass es durch die Änderung des Status quo immer Gewinner und Verlierer geben wird. Der Verlierer der inzwischen jahrelangen Auseinandersetzung zu diesem Thema steht fest: Es sind die Kinder!

Stimmt. Die Graserschule müsste schon längst saniert sein. Einfach mal in die Chronologie hineinschauen: Chronologie der Neubauidee.

Wir legen den Stadträten keine Steine in den Weg, im Gegenteil, sondern wir drängen seit Jahren auf eine Sanierung der Schule. Die Sanierungspläne werden seit Jahren immer wieder neu erarbeitet, nur der Stadtrat blockiert. Unsere Kinder könnten schon lange bessere Bedingungen haben, nur haben andere Begehrlichkeiten das bisher verhindert.

Ich sehe die Kinder verstärkt durch die politische Debatte als Objekt divergierender Interessen missbraucht. All denjenigen, die nicht direkt betroffen sind, da sie derzeit oder in Zukunft keine Kinder auf die Graserschule geben oder nicht dort arbeiten, muss die Diskussion inzwischen auf die Nerven gehen.

Auch dem können wir uns vorbehaltlos anschließen.

Allerdings werden vermehrt Kostenaspekte als sachliches Argument für die Sanierung und gegen den Neubau angeführt. An dieser Stelle wird es für alle Bayreuther Schulen interessant. Denn wenn das Sparargument (pro Sanierung) sich durchsetzt, betrifft das Signal verhaltener Investitionstätigkeit in die Bildung alle Bayreuther Schulen.

Das ist das gleiche Argument, welches auch Herr Staudacher in seinem Leserbrief „Vom Gegner zum Befürworter“ gebracht hat.

Wenn eine grundlegend sanierte Schule, bei der alle Anforderungen umgesetzt worden sind, eine Sparlösung ist, dann haben wir eine andere Auffassung von „gerecht“ und „sparen“ als der Leserbriefschreiber.

Mit der sanierten Graserschule wird ein Zustand erreicht, nach dem sich andere Bayreuther Grundschulen sehnen. Küche, Mensa, Aufzüge, neue Technik und Installation, auch eine Aula und vieles mehr finden in einem Investitionspaket von acht Millionen Euro Berücksichtigung, von dem der städtische Haushalt 5,5 Millionen tragen muss. Hier geht es um den sachgerechten Einsatz von Ressourcen. Diese sind begrenzt und müssen gerecht aufgeteilt werden. Bayreuth hat im Bereich der Schulen durchaus noch einen erheblichen Investitionsstau. Aktuell ist die Berufsschule in der Diskussion.

Wenn es der Stadtratsmehrheit, die das Ratsbegehren auf den Weg gebracht hat und mit aller Gewalt einen Schulneubau auf dem Bauplatz am Nordring versucht zu realisieren, wirklich um die Bayreuther Schulen als Ganzes ginge, hätte diese sich nicht für eine solch isolierte Maßnahme entscheiden dürfen.

Nein: Hier wird versucht ein einziges Vorzeigeprojekt für wenige Kinder mit hohem Aufwand zu realisieren. Die Kosten hierfür werden der Allgemeinheit aufgebürdet. Anschließend heißt es für alle anderen Kinder: Für Eure Schule ist kein Geld da.

Als nächstes führt Sebastian Schanz an:

Zu den Argumenten der Initiative „Ja zur Sanierung“ ist zu sagen: Die Aussage „Ja zu einer Schule für alle“ ist wertlos, da sie nicht hinreichend präzisiert ist.

In unserem Flyer „Ja zur Sanierung“ steht hierzu:

Die Graserschule ist die einzige zentrale Ganztagsschule, die allen Schülern aus Bayreuth offensteht – optimal über die ZOH an den ÖPNV angebunden. 50 Gastschüler aus anderen Sprengeln zeigen deren große Beliebtheit.

Und genau darum geht es. Ein Neubau auf dem Bauplatz am Nordring – außerhalb der städtischen Wohnbebauung – würde ein Loch in die Bayreuther Schullandschaft reißen. Wohin dann mit den Kindern der Innenstadt? In die ebenfalls stark sanierungsbedürftige Luitpoldschule ohne gebundenen Ganztagszweig mit kleinerem Pausenhof?

Die Graserschule in der Schulstraße 4 ist eine Schule für alle, weil sie sich schon lange über eine reine Sprengelschule hinaus entwickelt hat und nach Ansicht vieler Eltern von Schülern aus anderen Sprengeln genau das richtige Schulangebot genau am richtigen Platz ist. Das Indiz hierfür ist die große Zahl an Gastschülern.

Dann nimmt sich Herr Schanz das nächste Argument aufs Korn:

Das Argument „Ja zu einer lebendigen Innenstadt“ wird jeder unterstreichen, da es gut klingt. Leider ist die Aussage aber ebenso unpräzise. Betrachtet man die Metapher der „lebendigen Innenstadt“ polemisch, wird die „Lebendigkeit“ durch die Sanierung nur dadurch verstärkt, dass mehr genervte Eltern mit dem Auto in die Stadt fahren, dort ihren Emissionsbeitrag leisten, um ihre Kinder abzuholen, wenn die Schüler der Pavillons auch ins Haupthaus gehen.

Bitte: Es geht hier nicht um Sanierung oder nicht Sanierung, sondern um den Erhalt eines zentralen Schulstandortes oder dessen Schließung nach Verlagerung. Das ist eine völlig andere Betrachtungsweise. Die Innenstadt hat sehr kleinteilige Strukturen.

Die Innenstadt ist vieles: Öffentlicher Raum zum Verweilen, sie bietet ein großes Angebot an öffentlichen Einrichtungen (Schwimmbad, RW21, Spielplätze), ist Treffpunkt, Arbeitsstätte und sie ist Wohnraum – auch Wohnraum von Familien. Und die Innenstadt ist im Wandel – es wird mehr und mehr in attraktiven Wohnraum investiert.

Das hat im Wesentlichen zwei Gründe:

Der Focus der Hauseigentümer lag in den vergangenen Jahrzehnten auf der Vermietung von Ladenflächen. Durch die strukturellen Veränderungen im Handel hat sich die Nachfrage nach Ladenflächen deutlich reduziert, was sich auf die Mietpreise niedergeschlagen hat. Das Wegbrechen dieser Einnahmequelle hat den Focus wieder auf den Wohnraum verlagert und hier wird investiert.

Der andere Grund ist, dass urbanes Wohnen ein Trend ist, der nun auch in Städten wie Bayreuth angekommen ist. In Partnerschaften gehen heute in der Regel beide Partner einer Beschäftigung nach und die Menschen genießen immer mehr die kurzen Wege, verzichten hierbei gerne auf den privaten Garten zugunsten einer zentralen Wohnlage mit Balkon oder Dachterrasse. Für diese Menschen – die im privaten Bereich gerne auf das Auto verzichten, macht die Graserschule die Wohnlage Innenstadt attraktiver. Eine Verlagerung könnte diesen Trend und dadurch das Sanierungsgebiet Innenstadt weiter schwächen und letztendlich zu einem Attraktivitätsverlust der Innenstadt für alle führen.

Zusammengefasst ergibt sich die Entscheidungsfrage für die Stadtentwicklung: Möchte man die Innenstadt weiter attraktiv halten oder will man sie zu Lasten der Entwicklung am Dienstleistungszentrum am Nordring schwächen?

Sebastian Schanz weiter:

Und: Ich möchte meine Kinder nicht als „Innenstadtbeleber“ missbraucht wissen.

Die Kinder sind aber einfach da. Für 36% der Sprengelkinder ist die Graserschule zu Fuß am kürzesten zu erreichen und weitere 50 Kinder sind als Gastschüler in dem Gebäude, weil die Schule nach dem Wunsch ihrer Eltern genau das Angebot ist, welches sie sich für ihre Kinder wünschen. Warum das ohne Not ändern?

Natürlich ergibt sich durch den Wegfall des Jahrzehnte andauernden Provisoriums der Pavillons an der Bürgerreuth eine neue Situation. Warum aber nicht die Lösung „Schulbus“ wählen, wie auch in vielen anderen Stadtteilen Bayreuths (Wolfsbach, Hohlmühle, Hussengut, Seulbitz, Aichig, Storchennest, Grunau, Destuben, etc.)? Damit erreicht man deutliche kürzere Laufwege für die Kinder und erhält auch für zukünftige Sprengeländerungen eine höhere Flexibilität.

Herr Schanz bleibt bei der Innenstadt:

Die Innenstadt mit ihren dort angesiedelten Gewerben wird sich aufgrund der wachsenden Konkurrenz durch das Internet künftig stark verändern müssen.

Im Präsens: Sie hat sich heute schon verändert. Sie wird zunehmend zu einem normalen Stadtteil, in dem immer mehr Wohnraum saniert wird. Auch für Familien. Den Trend „urbanes Wohnen“ haben wir bereits oben dargelegt. Der gesamte Innenstadtbereich Bayreuths ist als Sanierungsgebiet ausgewiesen und hat als Ziele:

  • Stärkung der Innenstadt mit all ihren vielfältigen Funktionen, vor allem auch der Versorgung
  • Stärkung der Innenstadt als Kulturort Bayreuths
  • Stärkung und Neuausrichtung des Wohnstandorts Innenstadt (für verschiedene Zielgruppen)

In diesem Rahmen ist die Graserschule in der Schulstraße 4 ein fester Bestandteil.

Weiter geht es dann in dem Leserbrief mit:

Welchen Teil die Kinder dazu beitragen sollen, wird nicht gesagt.
Um was geht es eigentlich? Um Wirtschaftsförderung oder Bildung?

Auf der einen Seite geht es hier darum, eine Schule fit für die Zukunft zu machen, damit diese weiterhin Kindern und Lehrern eine optimale Lern- und Lehrumgebung bietet. Daher gibt es das Sanierungspaket für das Schulgebäude an der Schulstraße 4. Zum anderen geht es aber auch den Stadtteil „Innenstadt“, der sich im Wandel befindet, und für die weitere Entwicklung besondere Unterstützung benötigt.

Als nächstes führt Sebastian Schanz an:

Zum Argument „Ja zu einer Schule der kurzen Wege“ ist eigentlich alles gesagt. Es wird durch einen Neubau Schulweggewinner und -verlierer geben.
Aber, und das ist belegt, wird für denjenigen, der über statistische Grundkenntnisse verfügt, schnell ersichtlich, dass sich im Fall des Neubaus
im Vergleich zur Sanierung die Schulwege insgesamt verkürzen.

36% Der Sprengelschüler haben den kürzeren Weg zur Graserschule, 55% zum Bauplatz am Nordring und 9% zur Grundschule St. Georgen. Hat dieses Ergebnis die Signifikanz, die eine Verlagerung der Schule an den Bauplatz am Nordring rechtfertigen würde?

Und dann geht es weiter mit:

Zugegeben, und das wird bei der derzeitigen Diskussion vernachlässigt, ist dies das Ergebnis einer Momentaufnahme.
Wo die Familien in Zukunft leben, ist, zumindest langfristig, rein spekulativ.

Das ist richtig, hält Herrn Specht aber nicht davon ab, über eine Entwicklung der Herzogsmühle als Wohngebiet zu spekulieren und dieses als Argument für den Bauplatz am Nordring ins Felde zu führen. Die Herzogmühle gehört bisher zum Sprengel der Herzoghöheschule und ist von dieser auch gleich weit entfernt, interessiert aber Herrn Specht nicht. Ist ja auch nur spekulativ.

Trotzdem: Wenn man eine Entwicklung strategisch beeinflussen will, dann kann man das mit dem Standort einer Schule durchaus. Daher noch einmal die Entscheidungsfrage für die Stadtentwicklung: Möchte man die Innenstadt weiter attraktiv halten oder will man sie zu Lasten der Entwicklung am Dienstleistungszentrum am Nordring schwächen?

Dann führt der Schreiber aus:

Zu den „kurzen Wegen“ sei noch erwähnt, dass derzeit selbst kurze Wege, wie der Weg von der Graserschule zum Schlittschuhfahren ins Eisstadion
mit dem Bus zurückgelegt werden.

Diese Ausführung hat uns doch überrascht, da wir davon ausgegangen sind, dass die Kinder diese Wege laufen. Daher haben wir eine Befragung mit Graserkindern (am Frühstückstisch) durchgeführt. Das Ergebnis für die Kinder, die in das Haupthaus gehen: Sie laufen.

Als nächstes geht es weiter mit:

Was in der Diskussion zudem untergeht ist, dass im Fall einer Sanierung die vier Schulklassen des Pavillons mit insgesamt rund 75 Kindern auch in der Graserschule räumlich untergebracht werden müssen. Selbst die Schulleitung ist der Meinung, dass dies aus Platzgründen kaum vertretbar ist und spricht
sich für einen Neubau aus.

Das ist so nicht richtig. Der Schulleiter hat sich relativ früh für die „Einhäusigkeit“ der Schule ausgesprochen, als es noch um eine theoretische Sanierung der Pavillons an der Bürgerreuth ging. Er habe „genug Platz“ für alle Schüler im Haupthaus an der Schulstraße 4. Erst wesentlich später kam dann die Neubauidee auf.

Die Schulleitung hat in einem Brief klar Stellung genommen, dass sie mit beiden Alternativen gut leben kann, mit der Sanierung und dem Neubau. Mit dem Neubau, wenn bestimmte Bedingungen umgesetzt werden, ansonsten mit der Sanierung. Dieser Brief ist mit dem Kollegium abgestimmt und sollte so auch dessen Meinung widerspiegeln.

In der Vergangenheit wurde die Schule von der Politik immer wieder vernachlässigt und hängen gelassen. Vor allem auch von den Fraktionen, die nun den Neubau unterstützen. Daher ist es jetzt aus unsere Sicht zu begrüßen, dass die Hängepartie ein Ende haben wird und die Schule endlich mal eine Lobby hat.

Am Ende schließt Herr Schanz mit:

Fazit: Grundsätzlich wäre mir eine Sanierung oder ein Neubau egal, aber aufgrund sachlicher Argumente, insbesondere der Schaffung einer Lern und Lehrumgebung für die Kinder und Lehrkräfte nach neuesten Erkenntnissen, gebe ich meine Stimme für den Neubau.

Wir danken Herrn Schanz für seinen Leserbrief, hat er uns doch deutlich gezeigt, dass hier noch ein großes Informationsdefizit herrscht und wir hoffen, dieses mit unserem Beitrag verringert zu haben.

Am Sonntag ist es so weit: Sie können entscheiden!

Bitte stimmen Sie für die Sanierung der Graserschule. Das Sanierungskonzept ist rund, es erhält die Schule für alle, eine moderne Schule der kurzen Wege im historischem Gewand!

Dies erreichen Sie, wenn Sie so abstimmen:

Musterstimmzettel-Graserschule

7 03, 2016

Faktenanalyse: Zeitreise mit Klaus Klötzer (II)

Wir schätzen Klaus Klötzer sehr – zeigt er doch ein hohes ehrenamtliches Engagement – und bereits im Beitrag „Faktenanalyse: Klaus Klötzer und der Feinstaub (I)“ haben wir über seine Aussagen geschrieben. Da ging es um einen Sachverhalt der rund zehn Jahre zurückliegt.

Jetzt geht es weiter in der Zeit zurück, in das letzte Jahrtausend, in die Zeit von 1973-1983.

Klaus Klötzer startet in seinem aktuellen Post:

„Ich bin für den Neubau der Graserschule weil ich aus eigener Erfahrung die Mängel des jetzigen Standorts der Schule kenne. Ich habe als junger Lehrer von 1972 bis 1983 an der Graserschule unterrichtet und hatte damals immer die große Sehnsucht, einmal während des Unterrichts die Fenster öffnen zu können.

Das ist ja schon einige Zeit her. Manche der Schüler, die Klaus Klötzer damals unterrichte, sind heute schon Großeltern.

Aber, was hat sich seitdem geändert?

Die Hauptschule hat das Gebäude verlassen und die Schüler haben ihr neues zu Hause an der Albert-Schweizer-Schule gefunden. Zur Zeit von Herrn Klötzer gingen über 1.400 Schüler in das Gebäude an der Schulstraße 4. Nach der erfolgter Sanierung werden es 300 sein.

Das 1974 erlassene Bundes-Immisionsschutzgesetz (BImSchG) hat seine volle Wirkung entfaltet und die Belastung der Innenstädte durch Lärm und Abgase hat erheblich abgenommen. Vor allem die Abgase durch den Verkehr haben durch die Katalysatorpflicht (ab 1984) deutlich abgenommen. Die Zahl der Haushalte, die mit Kohlen heizen, geht heute gegen Null und sogar die Stadtwerke betreiben Stadtbad und Fernwärmenetz nicht mehr durch die Feuerung mit Eierbriketts.

Kurzum: Die Luft ist besser, der Lärm weniger geworden, herrschte früher Enge im Gebäude, hat die Schulfamilie nun viel Raum.

Und es gibt eine Technik, die fasst in jedem Neubau Einzug erhält und Klaus Klötzers Sehnen nach frischer Luft ganztägig Erfüllung gewähren kann: Eine Belüftungsanlage.

Laut dem in der Stadtverwaltung für die Sanierung der Graserschule zuständigen Mitarbeiter ist eine Belüftungsanlage: „im Rahmen der Sanierung mit überschaubarem Aufwand“ zu installieren, wenn der Stadtrat es denn für nötig hält.

Dann geht Klaus Klötzer konkret zu den Punkten:

Ich habe mich auch oft gesehnt nach Bedingungen, die bereits damals für viele andere Schulen selbstverständlich waren :

• einen Pausenhof, in dem die Kinder im Grünen herumtollen können

• moderne Spielbereiche für unterrichtsfreie Zeiten

• einen ruhigen Bereich für Unterricht im Grünen

Auf dem Internetauftritt der Graserschule kann man sich ein gutes Bild davon machen, wie die Außenansicht  der Graserschule heute ist und welche Spielmöglichkeiten die Kinder haben: http://www.graserschule.de/bildergalerie/4/0/14/galerie_28.htm

Der Pausenhof mit seiner Gesamtfläche von 3.200 m² ist großzügig. Nach dem Anbau der Aula bleiben über 2.900m².  – Im Vergleich zur Luitpoldschule sind das rund 500 m² mehr.

Der Außenbereich umfasst vier Abschnitte: Den großen Außenbereich mit historischer Baumsubstanz und 1.400m² Fläche, den Seitenbereich mit Bachlauf auf einer Fläche von 300m², einen überdachten Bereich mit einem bei jedem Wetter nutzbaren Ballspielplatz (400m²) und einem vierten Bereich mit einer Fläche von 1.100 m², der durch den Anbau einer Aula um ca. 200m² verkleinert wird. Selbst dann hat man mit über 2.900m² viel Platz für deutlich weniger als 300 Schüler.

Mehr grün geht natürlich immer: Im Rahmen der Sanierung wird auch der Außenbereich neugestaltet.

Als nächsten Aspekt führt Klaus Klötzer an:

• einen Schulgarten für modernen ökologischen Unterricht

Hatte man vor 33 Jahren wirklich schon Schulgärten in jeder Grundschule?

Den gibt es an der Graserschule nicht, wohl aber eine Initiative des Elternbeirates diesen an der Schulstraße 4 zu verwirklichen. Platz ist vorhanden, Geld der Eltern in Aussicht gestellt. Nur dem Schulleiter fehlten die „personellen Kapazitäten“.

Dann geht es weiter mit:

• Freisportanlagen vor Ort, statt ständiger Transfers zum BTS – Platz

Stimmt. Der BTS-Platz ist 1,1 Kilometer entfernt und wird von der Graserschule mit genutzt.

In anderen Schulen fährt man ganzjährig mit dem Bus zum Schwimmunterricht, in der Graserschule in den Sommermonaten, wenn das Wetter es zulässt, zum Sportplatz an der Mistel.

Da ist die Graserschule nun wirklich privilegiert: Bietet sie doch allen Schülern im Haupthaus von der ersten bis zu vierten Klasse durchgängig Schwimmunterricht. Aber auch beim Sportunterricht – so wird in den Wintermonaten immer wieder das Eisstadion genutzt.

Als nächstes führt Klaus Klötzer an:

• Räume für Schulsozialarbeit , Klassenkonferenzen und Pädagogische Mitte im Haus

Damals als Klaus Klötzer in der Schulstraße 4 unterrichtete, herrschte dort Raumnot (Schülerzahl damals> 1.400, heute <300). Im Rahmen der Renovierung wird hier so viel zusätzlicher Raum für die Schule hergerichtet, dass für all dies wirklich Platz in Hülle und Fülle herrscht.

Zu unser Verwunderung geht es dann weiter mit:

• Kurze Wege zu Lehrerzimmer und Toiletten

Wir geben gerne zu, dass uns dieses Argument vollständig überrascht hat. Es sind auf bald jedem Stockwerk Toiletten und das Lehrerzimmer ist innerhalb des Gebäudes.  Dieses ist zwar groß aber nun wahrlich kein Pentagon.  Zu den Toiletten können es im Extremfall dann doch wirklich 60 Meter sein.
Zum Lehrerzimmer: Wir sprechen von einer Grundschule, in dem die Lehrer in der Regel in einem festen Klassenzimmer unterrichten.

Und Klaus Klötzer schließt dann mit dem Satz:

Auf all dies mussten wir zusammen mit den Kindern verzichten.“

Damals ok, heute aber nicht!

Danke Klaus Klötzer für diesen Einblick in Ihren Erinnerungsschatz, hat es uns doch die Möglichkeit gegeben, anhand diesen mit Vorurteilen aufzuräumen und die vielen Vorteile der Graserschule in der Schulstraße 4 aufzuzeigen.

Die Graserschule ist die Schule in der zentralen Lage Bayreuths, die mit ihrem gebundenen Ganztagszweig Schüler aus ganz Bayreuth offensteht. Mit der Sanierung der Schule wird die Möglichkeit geschaffen, dass dieses zukunftsgerichtete Angebot sich weiter entwickeln kann.

Ein Neubau auf dem Bauplatz am Nordring – außerhalb der städtischen Wohnbebauung – würde ein Loch in die Bayreuther Schullandschaft reißen und auch dem St. Vinzenz Hort dessen Schule nehmen.

Wohin dann mit den Kindern der Innenstadt? In die ebenfalls sanierungsbedürftige Luitpoldschule ohne gebundenen Ganztagszweig mit kleinerem Pausenhof?

Bitte stimmen Sie für die Sanierung der Graserschule. Das Sanierungskonzept ist rund, es erhält die Schule für alle, eine moderne Schule der kurzen Wege im historischem Gewand!

2 03, 2016

Sie sind eingeladen: Am 9. März ab 20.00 Informationsveranstaltung im Bechersaal!

Einladung Infoabend II

Die Bürgerinitiative „Rettet die Graserschule“ führt diese Informationverasnstaltung im Bechersaal, St. Nikolaus-Str. 25 durch.

Der Abend besteht aus zwei Teilen:

Zu Beginn steht die Information im Mittelpunkt. Andi Enders und Moritz Möller im Dialog über die Sanierung der Graserschule und deren Vorteile berichten.

Anschließend wird Klaus Wührl Sie in die Untiefen des Spülbeckens mitnehmen.

Wir freuen uns auf einen informativen und unterhaltsamen Abend mit Ihnen am 9. März 2016 ab 20.00 Uhr im Bechersaal!

 

2 03, 2016

Faktenanalyse: Klaus Klötzer und der Feinstaub (I)

Klaus Klötzer ist laut seinem öffentlichen Profil:

„geb. 27.12.1946, verheiratet, 1 Kind, Rektor i. R., Vorsitzender des Vereins „Internationales Jugendkulturzentrum Bayreuth e.V. („ZENTRUM“), Ehrenvorsitzender der „Sängerschaft FRANCO-PALATIA 1895 zu Bayreuth“; Vorsitzender BSV – Bayerischer Schulleitungsverband Oberfranken, stv. Vorsitzender „Freundeskreis der Markgrafenschule“ Stadtrat seit 1996; Fraktionsgeschäftsführer.

Mitglied in folgenden Ausschüssen, Aufsichtsräten und Kommissionen: Ältesten-, Haupt- und Finanz-, Kultur-, Umwelt-, Verkehrsausschuss; Kommission für die Städtepartnerschaft mit La Spezia; Aufsichtsrat Bayreuther Thermalbad GmbH, Aufsichtsrat BMTG, Aufsichtsrat Gewog, Kommission Abfallwirtschaft und Rad-Fußwegplanung, Ausschuss des Regionalen Planungsverbands Ofr.-Ost

Schwerpunkte: Schulen, Stadtentwicklung, Verkehr.“ (entnommen aus: http://csu-fraktion-bayreuth.de/mitglieder/klaus-kloetzer/)

Wenn so ein honoriger Zeitgenosse eine Aussage trifft, dann hat diese Gewicht. Das beeindruckt auch uns, umso mehr noch, wenn man dann diese Aussage, die auf einer großen Erfahrung fußt, in Bezug zur Realität setzt. Herr Klötzer setzt sich vehement für den Neubau einer Schule auf dem Bauplatz am Nordring ein. So kann man von ihm auf Facebook mehrfach die Aussage lesen:

ELTERN:

Ehrlich , würden Sie Ihr Kind freiwillig in eine Grundschule schicken, die an einem Ort mit der höchsten Feinstaubbelastung unserer Stadt liegt?

Bei „ELTERN“ fühlen wir uns natürlich direkt angesprochen. Viele von uns haben Kinder an der Graserschule und einige gehören auch zu den rund 50 Gastkindern, bei denen die Eltern sich bewusst und freiwillig dazu entschlossen haben, ihr Kind in die Schulstraße 4 zu schicken. Wie kommt aber Herr Klötzer zu der Aussage „höchsten Feinstaubbelastung unserer Stadt“?

Hat man in der Vergangenheit den überall in der Stadt Messungen durchgeführt? Wenn ja, wie hoch ist dann die Belastung des Bauplatzes am Nordring?

Nein, man hat keine flächendeckenden Messungen durchgeführt und man hat keine Ahnung davon, wie hoch der Bauplatz am Nordring mit Feinstaub belastet ist.

Weiter schreibt dann Herr Klötzer in seinem Post:

Laut Gutachten des Landratsamts Bayreuth – Abteilung Gesundheitswesen – zeigte sich bereits von 2004 bis 2006 ein kontinuierlicher Anstieg der Anzahl der Grenzwertüberschreitungen. Zulässig 35, gemessen 56 Überschreitungen.

Die dem Gutachten zugrundeliegenden Werte sind die Werte der Messstation Hohenzollernring. Diese Werte bilden auch die Grundlage für den Luftreinhalteplan 2006, der am Ende einen Katalog von Einzelmaßnahmen enthält, deren Umsetzung die Luftqualität von Bayreuth verbessern soll. Diese Maßnahmen sind im Wesentlichen umgesetzt und die von Herrn Klötzer angeführten Messwerte sind nun auch schon zehn Jahre alt. Da ist es an der Zeit einen Blick auf das „Hier und Jetzt“ zu werfen.

Es gibt immer noch eine Messstation am Hohenzollernring, diese misst auch immer noch den Feinstaub mit der Partikelgröße PM10 auf die sich Herr Klötzer bezieht. Die Messdaten sind Online ab 2011 verfügbar. So kann man folgende Tabelle aus den Zahlen entwickeln:

 

Messtation Hohenzollernring

 

Was beutet Das für die Graserschule?

Bei der Feinstaubbelastung betrachten man zwei Aspekt, den Tageswert und das Jahresmittel und setzt für beide Werte Grenzwerte fest.  Der Grenzwert des Tagesmittels darf innerhalb eines Jahres maximal 35 Mal überschritten werden. Das führt zu folgendem Diagramm:

Diagramm Tageswert

 

Mindestens seit 2011 ist man also am Hohenzollernring weit unterhalb der gesetzlichen Forderung und auch der Trend zeigt deutlich nach unten.

Der zweite Aspekt bei der Feinstaubbelastung ist der Jahresmittelwert. Hier wird ein Grenzwert von 40µg/m³ gesetzt. Die Werte der Messstation am Hohnzollerring ergeben für diesen Aspekt folgendes Schaubild:

Diagramm Jahresmittelwert

Aus hier ist man mindestens seit 2011 am Hohenzollernring weit unterhalb der gesetzlichen Forderung und auch der Trend zeigt nach unten.

 

Die Forderung von Klaus Klötzer

Deshalb erscheint ein Neubau der Graserschule an einem weniger belasteten Ort sinnvoll – den Kindern zuliebe.

ist mit den Fakten nicht zu belegen, zumal es für den vermeintlich “ weniger belasteten Ort“ keine Messwerte gibt und eine Standortverlagerung an den Nordring sogar zu einer Verschlechterung der Situation führen kann.

Die Feinstaubbelastung gibt keinen Anlass, die Schule zu verlegen!

 

Eine Ergänzung vom 10.032016: Klaus Klötzers behauptet der Schulhof zum Hohenzollernring sei wegen Feinstaub gesperrt. Eine Nachfrage bei der Schulleitung der Graserschule brachte das Ergebnis, dass der Pausenhof nicht gesperrt ist.

29 02, 2016

Leserbrief „Vom Gegner zum Befürworter“

Faktenanalyse zum Leserbrief „Vom Gegner zum Befürworter“ von Thomas Staudacher im Nordbayerischen Kurier am 22.02.2016

Nach dem wir uns als erstes mit dem Leserbrief von Frau Schanz „Für eine fröhliche Grundschulzeit“ befasst haben, geht es hier nun um die Aussagen von Herrn Staudacher, dessen Leserbrief zeitgleich erschienen ist.

Für uns, die Bürgerinitiative „Rettet die Graserschule“, sind Leserbriefe, die die Graserschule betreffen, immer ein guter Aufhänger mit Teil- oder Fehlinformationen aufräumen zu können.

Im Leserbrief „Vom Gegner zum Befürworter“ führt Herr Staudacher an:

Wir Bayreuther dürfen entscheiden, ob es uns wert ist, die ein bis zwei Millionen Euro Mehrkosten für den Neubau auszugeben.

Es sind nicht zwei Millionen. Es sind viermal so viele. Es sind acht Millionen.

Die Renovierung würde nach Informationen des Hochbauamtes 8,0 Mio. € kosten, inklusive einer neuen Aula. Nach Abzug der Zuschüsse (2,5 Mio. €) bleibt für die Stadt ein Eigenanteil von 5,5 Mio. €. Ein Neubau in vergleichbarer Größe ist derzeit mit rund 14,7 Mio. € veranschlagt (kalkulierte Zuschüsse 2,7 Mio. €) Hinzu kommen noch Kosten für den Grunderwerb (ca. 1,5 Mio. €). So beträgt der Eigenanteil der Stadt 13,5 Mio. €. Folglich kostet ein Neubau mind. 8 Mio. € mehr als eine Sanierung. Dieses Geld fehlt dann an anderer Stelle, auch für die anderen Schulen. Die Sanierung ist daher auch die gerechte Maßnahme.

Kostenvergleich

Acht Millionen Euro mehr als die Sanierung. Acht Millionen Euro mehr und das Schulgebäude bleibt unrenoviert zurück

Als nächste führt Herr Staudacher dann an:

Es ist mittlerweile unstrittig, dass der Neubau die bessere Alternative ist. Schulleitung, Lehrer und Elternbeirat haben sich dafür ausgesprochen.

Eine sehr straffe Behauptung, wie aber ist die Sachlage?

Zur Schulleitung: Die Schulleitung hat in einem Brief klar Stellung genommen, dass sie mit beiden Alternativen gut leben kann, mit der Sanierung und dem Neubau. Mit dem Neubau, wenn bestimmte Bedingungen umgesetzt werden, ansonsten mit der Sanierung. Dieser Brief ist mit dem Kollegium abgestimmt und sollte so auch dessen Meinung widerspiegeln.

In der Vergangenheit wurde die Schule von der Politik immer wieder vernachlässigt und hängen gelassen. Vor allem auch von den Fraktionen, die nun den Neubau unterstützen. Daher ist es jetzt aus unsere Sicht zu begrüßen, dass die Hängepartie ein Ende haben wird und die Schule endlich mal eine Lobby hat.

Zum Elternbeirat: Der Elternbeirat hat bisher keinen Beschluss darüber gefasst, welche Alternative er bevorzugt. Daher ist die Aussage des Vorsitzenden Herrn Volker Schlör, die er auch gegenüber dem Nordbayerischen Kuriers getätigt hat, seine private Meinung und nicht die Meinung des Elternbeirats.

Diese Aussage von Volker Schlör wurde in der Zeitung veröffentlicht und damit hat er uns einen großen Dienst erwiesen: Einen so hohen Zulauf an Unterschriften von Eltern der Graserkinder hatten wir an keinem anderen Wochenende, wie nach dem seiner Behauptung.

weiter geht es im Text mit:

Warum aber sträuben sich die Verwaltung und die Oberbürgermeisterin gegen den Neubau?

Genauer: Gegen einen Neubau an dieser Stelle.

Bei dieser angedachten Verlagerung eine Grundschule handelt es sich um eine isolierte Einzelmaßnahme. Dahinter steht kein übergreifendes Konzept, welches eine Neuordnung der Grundschullandschaft Bayreuths ermöglichen würde, schlimmer noch: Der Standort hat eine vollständige Randlage bezüglich der Wohnbebauung. Damit ergeben sich nicht nur sehr weite Wege für sehr viele Kinder, man kann auch keine Kinder vernünftig hinzu „sprengeln“, wenn die Schülerzahlen im bisherigen Sprengel mal abnehmen.

Von der Schießhausstraße 22 sind es bereits 2000 Meter zum Bauplatz am Nordring, die Metzgerei Parzen in der Tannhäuserstraße ist „Midway“ zwischen dem Bauplatz am Nordring und der St. Georgen Schule und von der südlichen Sprengelgrenze sind es dann auch schon 2700 Meter. Das könnten alles Gründe sein, warum die Oberbürgermeisterin oder die Verwaltung von einen Neubau an der Stelle nicht zu begeistern sind. Vielleicht sind es auch die Mehrkosten in Höhe von 8.000.000.- €.

und dann:

Warum hat die BG einen Bürgerentscheid initiiert?

Die BG hat den Bürgerentscheid nicht initiiert. Es ist die Bürgerinitiative „Rettet die Graserschule“. Die gibt es schon lange. Die Historie kann man gerne hier nachlesen: Informationen „Rettet die Graserschule“ Es engagieren sich hier Bayreuther Bürger. Manche von Ihnen engagieren sich auch in Parteien und Wählervereinigungen, in der SPD, bei den Grünen, bei der BG und sogar auch in der CSU.

Die Bayreuther Gemeinschaft unterstützt, wie auch die Bayreuther Grünen und Unabhängigen, die Bürgerinitiative „Rettet die Graserschule“ im Rahmen des Bürgerentscheids. Dafür sind wir beiden auch sehr dankbar, stehen wir doch großen Parteiorganisationen gegenüber, die auf ganz andere Ressourcen zurückgreifen können, wie wir als Privatinitiative.

Nun führt Herr Staudacher an:

Ganz einfach: Es geht um mehr als nur um die Graserschule. Es geht um alle Bayreuther Schulen. Wenn man für eine bessere Graserschule mehr Geld ausgibt, dann kann man bei den anderen Schulen auch nicht sparen. Oder umgekehrt: Wenn wir Bayreuther uns für die Sparlösung bei der Graserschule entscheiden, dann wird man zukünftig mit gutem Grunde auch bei allen anderen Schulen sparen.

Gegen Vermutungen und Unterstellungen kann man schwer argumentieren.

Wie wissen nur, dass mit der sanierten Graserschule ein Zustand erreicht wird, nach dem sich andere Bayreuther Grundschulen sehnen. Küche, Mensa, Aufzüge, neue Technik und Installation, auch eine Aula und vieles mehr finden in einem Investitionspaket von acht Millionen Euro Berücksichtigung, von dem der städtische Haushalt 5,5 Millionen tragen muss.  Hier geht es um den sachgerechten Einsatz von Ressourcen. Diese sind begrenzt und müssen gerecht aufgeteilt werden. Bayreuth hat im Bereich der Schulen durchaus noch einen erheblichen Investitionsstau. Aktuell ist die Berufsschule in der Diskussion.

Wenn es der Stadtratsmehrheit, die das Ratsbegehren auf den Weg gebracht hat und mit aller Gewalt einen Schulneubau auf dem Bauplatz am Nordring versucht zu realisieren, wirklich die Bayreuther Schulen ginge, hätte diese sich nicht für eine solch isolierte Maßnahme entscheiden dürfen.

Nein: Hier wird versucht ein einziges Vorzeigeprojekt für wenige Kinder mit hohem Aufwand zu realisieren.  Die Kosten hierfür werden der Allgemeinheit aufgebürdet. Anschließend heißt es für alle anderen Kinder: Für Eure Schule ist kein Geld da.

weiter geht es mit:

Wenn wir Bayreuther uns für die Sparlösung bei der Graserschule entscheiden, dann wird man zukünftig mit gutem Grunde auch bei allen anderen Schulen sparen. Schließlich ist dies ja der ausdrückliche Wunsch der Bayreuther. Die Stadträte haben sich mit großer Mehrheit für den teueren – weil besseren – Neubau entschieden.

Wenn eine grundlegend sanierte Schule, bei der alle Anforderungen umgesetzt worden sind, eine Sparlösung ist, dann haben wir eine andere Auffassung von „gerecht“ und „sparen“ als der Leserbriefschreiber.

Die Stadträte haben entschieden und mehr als 5900 Bayreuther Bürger haben entschieden, dass alle Bürger über die Graserschule entscheiden sollen.

Dann kommt der Appell:

Wir sollten den Stadträten nun keine Steine mehr in den Weg legen, sondern ihr Bestreben für bessere Schulen unterstützen. Die Bayreuther Schüler und Schulen sollten uns das wert sein.

Wir legen den Stadträten keine Steine in den Weg, im Gegenteil, sondern wir drängen seit Jahren auf eine Sanierung der Schule. Die Sanierungspläne werden seit Jahren immer wieder neu erarbeitet, nur der Stadtrat blockiert. Unsere Kinder könnten schon lange bessere Bedingungen haben, nur haben andere Begehrlichkeiten das bisher verhindert.

Dann kommt noch die Aufforderung:

Wir sollten für den Neubau stimmen

Wir sind hier – für die Leser sicher überraschend – völlig anderer Meinung und würden uns wünschen, wenn Sie am 13. März für die Sanierung der Graserschule stimmen würden.

Einem Musterstimmzettel für diese Meinungsäußerung finden Sie hier: Musterstimmzettel und die Briefwahlunterlagen kann man hier anfordern: Anforderung Briefwahlunterlagen

…im Leserbrief geht es dann weiter:

Übrigens: Wenn die Gegner des Neubaus sich – trotz des schlechten Wetters – die Mühe gemacht hätten, das geplante Grundstück an der Cottenbacher Straße gemeinsam mit einigen Vertretern des Stadtrats zu besichtigen, bin ich davon überzeugt, dass viele Gegner zu Befürwortern geworden wären.

Bereits letzten Sommer haben wir den Bauplatz am Nordring besucht – bei Sonnenschein, ausgerüstet mit geeichtem Lärmmessgerät und uns ein Bild vor Ort gemacht. Damals war der Lärmschutzwall noch nicht kahl, sondern im schönsten Grün. Das Ergebnis Lärmbelastung ähnlich wie in der Innenstadt, schmales Gelände, von den 13.000 m² etwas mehr als die Hälfte nutzbar (die Neubaufraktion weißt exakt 7.500m² von dem Gelände als für die Schule nutzbar aus).  Wahrlich eine Idylle, die durch die Ansiedlung einer Schule unwiederbringlich zerstört werden würde.

Auf dem Gelände entstehen Parkplätze, Zufahrts-, Wirtschafts- und Rettungswege und die Oberfläche wird fast vollständig versiegelt. So ist das mit den Schulhöfen. Wer daran Zweifel hat, der muss sich nur einmal den modernsten Bayreuther Schulhof anschauen. Er ist an der Markgrafenalle 33 bei der Markgrafenschule. So viel Grün bleibt dann auch am Bauplatz am Nordring übrig, welches sich aber auch in der Schulstraße 4 realisieren lässt.

 

Auch Herrn Staudacher möchten wir für seinen Leserbrief danken, hat er uns doch ermöglicht unsere Einstellungen darzulegen.

 

 

26 02, 2016

Leserbrief „Für eine fröhliche Grundschulzeit“

Faktenanalyse zum Leserbrief  „Für eine fröhliche Grundschulzeit“ von Deborah Schanz im Nordbayerischen Kurier am 22.02.2016

Leserbriefe sind ein feine Sache, man kann künden ohne sich direkter Gegenargumentation stellen zu müssen, es kostet Nichts und der Zeitungsverlag hat einen Leserbeitrag, der in der Regel gerne gelesen wird und Emotionen weckt. Das wiederum wird Reaktionrn bringen. Ein klassischer Selbstläufer.

Leserbriefe sind Win-Win-Geschichten, die gerade auch von Parteien und Interessenverbänden genutzt werden, um Meinungsbildung zu betreiben.

Für uns, die Bürgerinitiative „Rettet die Graserschule“, sind Leserbriefe, die die Graserschule betreffen, immer ein guter Aufhänger um im persönlichen Gespräch mit Teil- oder Fehlinformationen aufräumen zu können. Heute aber auch mal schriftlich.

Im Leserbrief  „Für eine fröhliche Grundschulzeit“ führt Frau Schanz an:

Ich verfolge die Diskussion um den Neubau beziehungsweise die Sanierung der Graserschule seit längerem und bin zunehmend irritiert über die (oft nostalgischen) Argumente, die für die Sanierung angeführt werden.

Unbestritten verbinden viele Bayreuther mit dem Gebäude in der Schulstraße 4 Emotionen. Manche positive, manche auch negative. Tradition und Wurzeln, das ist das, was viele mit dem Gebäude verbinden.

Darüber hinaus bietet das Gebäude aber auch erhebliches Potential:

Es ist groß und massiv, hat große Räume und Fenster. Hier hat man Raum in Hülle und Fülle, in dem schon heute “zeitgemäße pädagogische Lernkonzepte und flexible Ganztagsbetreuung“ durchgeführt wird und ein Areal welches über gute Pausenmöglichkeiten verfügt. Die Graserschule war eine der Pilotschulen für den gebundenen Ganztagszweig und verfügt gerade hier über viel Erfahrung.

Frau Schanz weiter:

Wenn ich in der Stadt shoppen gehe, stimmt es mich auf dem Weg vom Rathausparkplatz traurig, den völlig zubetonierten, feinstaubumgebenen Schulhof unserer Graserschule zu sehen. Wie sehr wünsche ich unseren Kindern mehr Grün drum herum!

Der Außenbereich umfasst vier Abschnitte: Den großen Außenbereich mit historischer Baumsubstanz und 1.400 qm Fläche, den Seitenbereich mit Bachlauf auf einer Fläche von 300 qm, einen überdachten Bereich mit einem bei jedem Wetter nutzbaren Ballspielplatz (400qm) und einem vierten Bereich mit einer Fläche von 1.100 qm, der durch den Anbau einer Aula um ca. 200 qm verkleinert wird. Selbst dann hat man mit 2.900 qm viel Platz für deutlich weniger als 300 Schüler. Im Rahmen der Sanierung wird auch der Außenbereich neu gestaltet.

Frau Schanz weiter:

Dass die Kinder dazu dienen sollen, die Innenstadt zu beleben – wie in der Debatte oft angeführt – finde ich weder kindgerecht noch richtig.

Die Kinder sind aber einfach da. Für 37% der Sprengelkinder ist die Graserschule zu Fuß am kürzesten zu erreichen und weitere 50 Kinder sind als Gastschüler in dem Gebäude, weil die Schule nach dem Wunsch ihrer Eltern genau das Angebot ist, welches sie sich für ihre Kinder wünschen.

Frau Schanz weiter:

Die Grundschüler laufen (hoffentlich!) nicht nach der Schule durch die Innenstadt und geben ihr Taschengeld dort aus.

Aber bitte: Doch!

Taschengeld – also echtes Taschengeld – ist das Geld, welches Kinder zur freien Verfügung haben sollten, um den Umgang mit Geld zu lernen. Geben sie das Geld im stationären Handel in der Innenstadt aus, was ist denn daran auszusetzen? Im schlimmsten Fall werden sie davon geprägt und an die Innenstadt gebunden.

Frau Schanz weiter:

Unseren Bayreuther Innenstadtgeschäften wäre dagegen zu wünschen, dass eine echte Belebung der Innenstadt durch eine Nutzung des Schulgebäudes durch Erwachsene stattfindet.

Das könnte sicher ein Konzept zu einer Belebung der Innenstadt sein, wenn es denn da nun wirklich ein Konzept gäbe. Zudem wäre dieser theoretische Nutzen durch den Wegfall der einzigen zentralen gebundenen Ganztagsschule erkauft. Menschen, die in der Innenstadt arbeiten, bringen ihr Kind in die Graserschule. Das fördert Arbeitsplätze in der Innenstadt. Eine andere Lösung oder ein Ersatzkonzept gibt es nicht.

Frau Schanz weiter:

Zum Beispiel wurde wiederholt angemerkt, dass das Gebäude als Lehrerbildungsstätte eingesetzt werden könnte. Das würde endlich Kaufkraft in die Innenstadt bringen, die unsere Bayreuther Geschäfte dringend nötig hätten. Das alte Schulgebäude könnte – trotz Schulneubaus an der Cottenbacher Straße – zu diesem Zweck saniert und erhalten bleiben.

Zur Nachnutzung:

Die Verlagerung des Instituts für Fachlehrer ist ein reines Gedankenspiel. Erst als wir das Thema „Nachnutzung“ nach dem Neubaubeschluss des Stadtrats zu Sprache brachten, haben die Befürworterfraktionen angefangen, sich darüber Gedanken zu machen. Das Institut braucht nach Aussagen zusätzliche Räume in „naher Zukunft“. Eine Nachnutzung des Schulgebäudes wäre aber frühestens 2022 möglich. Gerade heute machen die Fraktionsvorsitzenden von CSU und SPD wieder einen Bildchentermin in dem Institut für die Fachlehrerausbildung. Das ist aber schon alles.

Zur Kaufkraft und Innenstadt:

Frau Schanz reduziert hier Schüler auf Kaufkraft und die Innenstadt auf Einzelhandelsfläche. Das wird der Aufgabenstellung nun wirklich nicht ansatzweise gerecht.

Schüler lernen sich öffentlichen Raum selbständig zu bewegen. Dazu gehört sicher auch die Begegnung mit dem Einzelhandel.

Die Innenstadt ist vieles: Öffentlicher Raum zum Verweilen, sie bietet ein großes Angebot an öffentlichen Einrichtungen (Schwimmbad, RW21, Spielplätze), ist Treffpunkt, Arbeitstätte und sie ist Wohnraum – auch Wohnraum von Familien. Und die Innenstadt ist im Wandel – es wird mehr und mehr in attraktiven Wohnraum investiert.

Das hat im Wesentlichen zwei Gründe:

Der Focus der Hauseigentümer lag in den vergangenen Jahrzehnten auf der Vermietung von Ladenflächen. Durch die strukturellen Veränderungen im Handel hat sich die Nachfrage nach Ladenflächen deutlich reduziert, was sich auf die Mietpreise niedergeschlagen hat. Das Wegbrechen dieser Einnahmequelle hat den Focus wieder auf den Wohnraum verlagert und hier wird investiert.

Der andere Grund ist, dass urbanes Wohnen ein Trend ist, der nun auch in Städten wie Bayreuth angekommen ist. In Partnerschaften gehen heute in der Regel beide Partner einer Beschäftigung nach und die Menschen genießen immer mehr die kurzen Wege, verzichten hierbei gerne auf den privaten Garten zugunsten einer zentralen Wohnlage mit Balkon oder Dachterrasse. Für diese Menschen – die im privaten Bereich gerne auf das Auto verzichten, macht die Graserschule die Wohnlage Innenstadt attraktiver. Eine Verlagerung könnte diesen Trend  und dadurch das Sanierungsgebiet Innenstadt weiter schwächen und letztendlich zu einem Attraktivitätsverlust der Innenstadt für alle führen.

Zusammengefasst ergibt sich die Entscheidungsfrage für die Stadtentwicklung: Möchte man die Innenstadt weiter attraktiv halten oder will man sie zu Lasten der Entwicklung am Dienstleistungszentrum am Nordring schwächen?

Weiter geht es im Leserbrief mit:

Im Gespräch mit Freunden zeigt sich: Außerhalb von Bayreuth ist es kaum vermittelbar, dass hier überhaupt diskutiert wird, freiwillig auf den Neubau einer modernen Schule zu verzichten, in der sich zeitgemäße pädagogische Lernkonzepte, flexible Ganztagsbetreuung und vielfältige naturnahe Sport- und Pausenmöglichkeiten umsetzen lassen.

Ein paar Aspekte für die nächsten Gespräche:

Das Alter eines Gebäudes hat wenig mit dem zu tun, was darin geschieht. Die Graserschule ist eine moderne Grundschule und bisher hat uns jeder Lehrer versichert, dass er kein „zeitgemäßes pädagogisches Lernkonzept“ kennt, welches nicht in dem Gebäude umgesetzt werden könnte. Auch ist die Graserschule eine Schule mit einem gebundenen Ganztagszug und bietet darüber hinaus auch noch eine Mittagsbetreuung mit Anschlussbetreuung an. Die Pausenmöglichkeiten sind ja schon weiter oben beschrieben. Mehr Grün geht natürlich immer, aber auch an der Graserschule.

…und weiter im Text:

Ich wünsche mir für unsere Kinder keine Dauerbaustelle, in der über Jahre parallel zum Unterricht Sanierungslärm herrscht. Das kann jeder nachvollziehen, der je ein Gebäude saniert oder einen Neubau errichtet hat.

Ja, der Baufortschritt wird wahrnehmbar sein.

Aber, wie ist es denn geplant?

Die Pavillons bleiben während der Bauphase „beschult“ und die Sanierung wird in drei Abschnitten durchgeführt.

Zuerst wird ein Turm geräumt und saniert, dann ziehen die Kinder in den sanierten Turm und der nächste Abschnitt kommt dran. Wer sich mit dem Gebäude auseinandergesetzt hat, kann sich dem Eindruck nicht verwehren, dass das  Baureferat einen guten Plan erarbeitet hat, wie die Sanierung und der Umbau parallel laufen können.

Dass sie das können, zeigt sich gerade an andere Stelle in Bayreuth, beim GCE in der Albrecht-Dürer-Straße 2. Hier wird gerade an und umgebaut.

Bei der Sanierung werden die Kinder auch schneller von den Investitionen profitieren: Bereits für 2018 ist es geplant, dass den Ganztagsklassen der erste Bauabschnitt schon vollumfänglich zur Verfügung steht.

Frau Schanz weiter:

Und das Ergebnis der jahrelangen Bauarbeiten wäre nach wie vor ein – wenn auch frisch sanierter – unzeitgemäßer Altbau; mit zu großen Räumen, mit langen Gängen, mit so hohen Fenstern, dass Kinder kaum hinausschauen können. Ich wünsche unseren Kindern vielmehr helle, moderne Räumlichkeiten für eine fröhliche Grundschulzeit.

Dem Wunsch können wir  in Bezug auf die fröhliche Grundschulzeit nur anschließen. Moderne und helle Räumlichkeiten werden die Kinder auf jeden Fall bekommen. Im Falle der Sanierung schneller, im Falle eines Neubaus – so die Planungen der Stadtverwaltung – ein bisschen später.

Frau Schanz, vielen Dank für diesen Leserbrief. Bietet uns doch die Möglichkeit, auf die Vorteile einer Sanierung einzugehen!