An alle Stadträte der Stadt Bayreuth, 17.10.06

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Bestürzung haben die Eltern der Schüler der Graserschule erfahren, dass es Bestrebungen gibt, die Graserschule aufzulösen, um in deren Gebäude das Rathaus II unterzubringen. Dies geschah offensichtlich vor dem Hintergrund, dass die Schulverwaltung davon ausgeht, dass durch die Auflösung der Teilhauptschule in der Graserschule Räume leer stünden.

Entgegen den Erhebungen der Stadtverwaltung gibt es aber in der Graserschule keine ungenutzten Räume. Die Zimmer werden alle im Rahmen des dringend notwendigen integrativen Schulkonzeptes schulisch bestens genutzt.

Gerade im Rahmen der derzeitigen Diskussionen um die Pisa-Studie (große Schülerzahlen, mangelnde Förderung von Immigranten) erscheint es nicht sinnvoll die Schüler der Graserschule auf andere Schulen aufzuteilen und damit dort die Klassenstärken zu erhöhen. Zudem bleiben die Schülerzahlen im Schulsprengel der Graserschule nach den bisherigen amtlichen Erhebungen für die nächsten Jahre konstant, so dass auch ohne Teilhauptschule die Auslastung der Schule gewährleistet ist.

Zusätzlich nutzen auch viele Einpendler aus den Stadtrandgebieten und dem Umland die Zentralität der Schule und stellen Gastschulanträge. Sie bringen Ihre Kinder vor Arbeitsbeginn in die Graserschule, um dann ihrer Arbeit in der Innenstadt nachzugehen. Mit dem Absiedeln der Innenstadtschule würde diesen Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Berufstätigkeit weiter erschwert werden und damit auch Auswirkungen für die Betriebe und Geschäfte in der Innenstadt haben.

Aber auch viele junge Familien wohnen in der Innenstadt und sind auf eine wohnortnahe Schule dringend angewiesen. Eine Innenstadt wird nicht nur mit Geschäften und Einzelhandel belebt, wesentlich sind die Menschen, die darin leben und arbeiten. Siedelt die Stadt nun die einzige zentrale Grundschule aus der Innenstadt ab, werden in Zukunft sicherlich immer weniger junge Familien bereit sein in der Stadt zu wohnen. Wachsende Umlandgemeinden hat die Stadt Bayreuth nun wahrlich genug. Dies kann nicht im Interesse der Stadt Bayreuth sein.

Der Bayreuther Stadtrat war sich in der Vergangenheit auch dieser Verantwortung bewusst und hat mit Überzeugung – auch bei schwierigen Entscheidungen (Busbahnhof) – für den Erhalt der Graserschule gekämpft. Ansonsten wären die gesamten Modernisierungsmaßnahmen in der Schule und im Schulhof nicht möglich gewesen.

Die Graserschule verfügt nunmehr durch die aktuellen städtischen Baumaßnahmen in den zwei schallgeschützten Pausenhöfen über großzügige Kletter- und Spielbereiche, eine wunderschöne, kindgerechte Ruhezone mit Wasserlauf und einen vielseitig verwendbaren, gesicherten Ballspielplatz. Mit der Absiedlung der Schule wären diese Investitionen verschwendet.

Mit diesen neuen Voraussetzungen ist die Schule auch bestens als Standort einer Ganztagesgrundschule geeignet. Dieses neue Konzept wurde dem Oberbürgermeister bereits durch die Schulleitung vorgestellt.

Der neue Busbahnhof direkt vor dem Schulgebäude gibt nun auch den anderen Bayreuther Eltern die Chance ihren Grundschulkindern eine Ganztagesbetreuung zu bieten. Durch die ZOH kann jedes Kind aus Bayreuth und dem Umland sicher – ohne Umsteigen – direkt vor die Schule gefahren werden. Einen sichereren und problemloseren Schulweg für ein Ganztagesangebot an alle Grundschüler in ganz Bayreuth gibt es wohl kaum.

Die Graserschule kann den neuen Anforderungen der Gesellschaft mit ihrem Ganztagesangebot Rechnung tragen: sie hat schon in der Vergangenheit Mittagsbetreuungen, Schulessen, Hausaufgabenbetreuung und Nachmittagsaktivitäten angeboten. Auch in der Zukunft will und muss die Schule in diesem Bereich tätig werden um den Ansprüchen der berufstätigen Eltern gerecht zu werden, aber vor allem auch, um alle Kinder optimal fördern zu können.

Wie Sie sehen, ist die Graserschule ein gutgenutztes und wichtiges Schulhaus. Die Graserschule hat eine engagierte Schulleitung, viele aktive Eltern und Schüler für die es sich zu kämpfen lohnt. Denn gerade die Schüler der Graserschule sind die Leidtragenden der städtischen Planungen. Die Kinder würden aus ihrer Klassengemeinschaft gerissen und auf die Schulen im Stadtgebiet aufgeteilt. Die Zusammenlegung bedeutete neben der Zerstörung der sozialen Kontakte auch lange Schulwege, große Klassen und unübersichtliche große Grundschulen.

Das Wohl der jüngsten Kinder in der Stadt sollte bei Ihrer Entscheidung über die Zukunft der Graserschule ausschlaggebend sein. Kommerzielle, bzw. eigene Interessen der Stadtverwaltung sollten bei ihrem Beschluss über die Zukunft der Graserschule nicht entscheidend sein.

Wir ersuchen Sie, auch andere Möglichkeiten für die Verlegung des Rathauses II und anderer Verwaltungsgebäude zu prüfen (z.B. den Oberpaur in der Richard-Wagner-Straße, eine Erweiterung des Rathauses oder die Aufstockung der Sparkasse am Luitpoldplatz).

Wir bitten Sie deshalb darum, keine Entscheidung zu treffen, ohne sich vorher ein Bild von der Graserschule gemacht zu haben. Deshalb bieten wir Ihnen und Ihren Fraktionen an sich bei einer Schulbesichtigung selbst ein Bild zu machen. Selbstverständlich würden wir Ihnen auch kurz unser Ganztagsschulkonzept vorstellen.

Wegen eines Termins werden wir in Kürze auf Ihren Fraktionsvorsitzenden zukommen. Gerne sind wir auch bereit in einer Fraktionssitzung Rede und Antwort zu stehen.

Mit freundlichen Grüßen